Tirol - Hochgebirgspark Zillertaler Alpen - Berliner Höhenweg

Tirol - Hochgebirgspark Zillertaler Alpen - Berliner Höhenweg by Alexander B.

Allgemeine Informationen

"Vier Tage und drei Nächte auf dem Berliner Höhenweg"

Diese besondere Tour hat uns in die Höhen des "Hochgebirgsparks Zillertaler Alpen" im österreichischen Tirol geführt.  Seit langem hatten wir den Drang den Klassiker "Berliner Höhenweg" nun endlich einmal in die Tat umzusetzen. Dieser ca. 70 km lange hochalpine Rundwanderweg erstreckt sich in bis zu 9 Etappen von Finkenberg über die Gamshütte, das Friesenberghaus, der Olpererhütte, dem Furtschaglhaus zur Berliner Hütte. Von hier kann er als "Zillertaler Runde" über die Greizer Hütte, die Kasseler Hütte und die Edelhütte mit Abstieg nach Mayrhofen vollendet werden. Der Berliner Höhenweg ist eine hochalpine Tour, welche fast immer über 2000 m verläuft. Mit der Überschreitung des Schönbichler Horns (3134 m) kann man grandiose Ausblicke auf die Gipfel die Zillertaler Alpen genießen, von denen ca. 80 Gipfel die 3000er Marke überschreiten. Der Berliner Höhenweg ist anstrengend und erfordert eine gute Kondition, hält aber keine größeren technischen Schwierigkeiten bereit. Auch für die Überschreitung des 3134 m hohen Schönbichler Horns wird grundsätzlich keine weitere Ausrüstung (Klettersteigset, etc.) benötigt. Natürlich sind Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und ein gutes Orientierungsvermögen (bei Nebel) ebenso Voraussetzung wie die richtige Ausrüstung für Mehrtagestouren in diesen Höhenlagen.

   

Aufstieg von Ginzling über Rauth zur Pitzenalm.

Wir selbst tourten vier Tage auf dem Höhenweg von Hütte zu Hütte und genossen das Hochalpenfeeling bei überwiegend bestem Wetter. Für die Tourenplanung hatten wir den Anspruch das Maximum an "Highlights" in diese vier Tage hineinzupacken. Wir wollten auf jeden Fall den Panoramablick auf den Schlegeisspeicher mit Gletscher und der 3000er Gipfelszenerie im Hintergrund von Seiten Olperer Hütte genießen. Dieser faszinierende Blick wurde uns letztlich in vollem Umfang gewährt, da das Wetter nach anfänglichen "Schwierigkeiten" es zu diesem Zeitpunkt gut mit uns meinte. An unserem zweiten Tag vom Friesenberghaus zum Furtschaglhaus nahmen die Sonnenstunden ab dem späten Vormittag stets zu, sodass wir dieses faszinierende Farbspiel bei guten Wetterverhältnissen genießen konnten. Ein weiterer Grund für die Begehung des Teilstückes auf der nördlichen Seite des Schlegeisspeichers war der einfache Umstand, dass die Wege auf der Südseite des begangenen Grates verlaufen, also südwest-exponiert sind, somit trockener sind und maximale Sonneneinstrahlung bekommen. Zudem eröffnet sich bei gutem Wetter die Option einer Besteigung des vom Friesenberghaus aus einfach zu erreichenden "Hohen Rifflers" (3231 m). Ein weiterer gewichtiger Grund für diese Streckenplanung war die Überschreitung des Schönbichler Horns, welche wir ebenso nicht auslassen wollten. Als interessanten Abstieg bot sich dann noch der Wegverlauf von der Berliner Hütte über die Melkerscharte an, der uns zum Abschluss nochmals deutlich über 2800 m führte. Diese Tourenanforderungen unsererseits führten dann zu unserer 4-Tages Planung.

Das Zeitfenster für eine möglichst schneefreie Begehung begrenzt sich auf wenige Wochen im Sommer (Mitte Juli - Mitte September), sodass uns von vorn herein bewusst war auf diesem Klassiker - Höhenweg an schönen Tagen im August nicht allein unterwegs zu sein.

Tourdaten

 Zeit: 21.08.2016 - 24.08.2016

Gesamthöhenmeter: 4500 Hm Aufstieg; 4350 Hm Abstieg

Strecke: Ginzling - Rauth - Pitzenalm - Friesenberghaus - Petersköpfel - Olperer Hütte - Schlegeisspeicher - Furtschaglhaus - Schönbichler Horn - Berliner Hütte - Melkerscharte - Ginzling

Tag 1: Ginzling - Rauth - Pitzenalm - Berliner Höhenweg - Friesenberghaus

(Gehzeit: 7 Stunden; 1700 Hm Aufstieg)

 

Rast auf der zwischenzeitlich privaten Pitzenalm

 Nach frühmorgendlicher Anreise begannen wir unseren 1. Tag mit einem ausgiebigen Frühstück im "Gasthof Altginzling". Die freundlichen Wirtsleute, welche eigentlich nur Hausgäste bewirten, haben uns mit einer spürbaren Gastfreundlichkeit "aufgenommen" und uns ein deftiges Frühstück serviert. Nach abschließender Tourenbesprechung mit Blick auf die Karte starteten wir gut gestärkt in den Tag. Unsere Absicht mit dem Shuttle Bus in Richtung Schlegeisspeicher ein paar Meter bis Rauth mitzufahren, schlug fehl, da wir den Bus schlichtweg um ein paar Sekunden verpassten. Als Glück im "Unglück" erwies sich der Wirt des Gasthofes Altginzling und bot an uns ein paar Meter im Tal bis Rauth zu chauffieren.


Die ersten Meter auf dem Berliner Höhenweg in Richtung Friesennberghaus.

Um 11.15 Uhr starteten wir unseren Fußmarsch von Rauth aus zur Pitzenalm. Zu Beginn einer jeden Tour heißt es erstmal "arbeiten" und sich die Höhe vom Tal aus Schritt für Schritt selbst zu erkämpfen. Der Weg schlängelte sich steil in vielen Kehren durch Wald und Wiesenhang und war auffallend zugewachsen, woraus wir schlossen, dass er die vergangenen Tage bzw. vielmehr Wochen nicht allzuviel begangen worden sein konnte. Das "Grün" bzw. die Vegetation im Allgemeinen war aufgrund des regenreichen Sommers sehr üppig und kräftig, zudem standen unzählige Pilze entlang des Weges.


Der Weg war aufgrund einsetzenden Regens und des Nebels matschig bzw. die Steine glatt.


Das Friesenberghaus mit Aufenthaltsraum.

Um 13:15 Uhr erreichten wir nach 2 Stunden und gut 800 Hm die Pitzenalm (1874 m). Wir betraten hier nun den "Berliner Höhenweg". Die Pitzenalm war entgegen unserer Erwartung nicht bewirtschaftet und seit geraumer Zeit ausschließlich privat genutzt. Unsere Anwesenheit auf der Holzterrasse wurde problemlos geduldet, sodass wir hier ca. 20 Minuten pausierten. Nach einer Stärkung liefen wir weiter auf dem Berliner Höhenweg in Richtung Friesenberghaus. Die am Wegweiser angegebene Gehzeit betrug 5 1/2 Stunden. Das Wetter zeigte sich sehr durchwachsen, nachdem es am frühen Morgen noch trocken war, begann es nun immer wieder zu regnen. Der Nebel war zum Teil sehr dicht. Unsere Freude auf die Bergtour konnte durch diesen Wetterumstand auf jeden Fall nicht geschmälert werden. Wir genossen gut gelaunt die Höhe, liefen auf zum  Teil matschigen Wegen und nassen Steinplatten und hofften auf den ersten atemberaubenden Ausblick.

Der Weg war lang und durch die Nässe anspruchsvoll. Beim Passieren des Wesendlkarsee konnten wir Murmeltiere beobachten, die sich nicht wirklich von uns beirren ließen. Nach nochmaliger 5-stündiger Wanderung erreichten wir gegen 18:30 Uhr das Friesenberghaus auf 2498 m. Wir kamen ohne Reservierung, ausschließlich mit telefonischer Vorankündigung, und nächtigten letztlich zu neunt in einem Lager. Aufgrund der späten Ankunftszeit war die Auswahl der vorgehaltenen Speisen bereits reduziert. Verhungert sind wir nicht, ganz im Gegenteil unser Essen war lecker und reichlich. Das junge Hüttenteam wirkte erfrischend und sorgte sich bestens um ihre Gäste. Am Abend wurde die Wettervorhersage lautstark und mehrsprachig im Aufenthaltsraum dargestellt, die Prognose lautete Sonnenschein für etliche Tage. Wir verbrachten einen geselligen Abend mit Lisa vom Hüttenteam und ihrem Vater, welcher sie an diesem Tage besuchen kam.

 

Aufstieg zum Petersköpfel.

   Tag 2: Friesenberghaus - Petersköpfel - Olpererhütte - Schlegeisspeicher - Furtschaglhaus

(Gehzeit: ca. 7 Stunden; 950 Hm Aufstieg; 1050 Hm Abstieg)

Gut genächtigt und gestärkt starteten wir gegen 9 Uhr zum Gipfelplateau des Petersköpfl, dem "kleinen" Hausberg des Friesenberghauses. Der Himmel war noch immer zugezogen. Aus wettertechnischen sowie zeitlichen Gründen haben wir uns gegen die Besteigung des als einfach geltenden Hohen Rifflers (3231 Meter) entschieden. Zum Petersköpfl folgt man dem Weg zum "Hohen Riffler" bis zum Sattel zwischen beiden Gipfeln. Aus dem Sattel dann rechts haltend, gelangten wir nach nur kurzer Zeit über eine Felsstufe zur weitläufigen Gipfelfläche. Wir benötigten für den Aufstieg mit ca. 180 Hm knapp 40 Minuten. Auf dem Petersköpfl standen unzählige Steinmänner, welche dem Ort sehr geheimnisvoll erschienen ließen. Im Zusammenspiel mit dem starken Nebel wirkte die gesamte Szenerie sehr mystisch und unheimlich.

 

Verschneites Gipfelplateau des Petersköpfel.

Hier ist wissenswert, dass bereits seit 1999 das Friesenberghaus eine Gedenkstätte ist. Sie soll an Bergsteiger/-innen erinnern, welche Opfer von Intoleranz und politischer wie religiöser Verfolgung wurden. Insbesondere ist das FBH und die Region herum jüdischen Bergfreunden gewidmet, welche im Nazideutschland geächtet und verfolgt wurden. 2001 / 2002 wurde die Gedenkstätte erweitert, seit 2003 ist das Friesenberghaus eine offizielle Begegnungsstätte gegen Intoleranz und Hass. Die Vielzahl an Steinmännern stellen hier eine Form des Gedenkens dar. Ursächlich hierfür ist, dass das FBH zwischen 1928 und 1931 vom "Deutschen Alpenverein Berlin e. V." gebaut wurde, welcher aus einer Vielzahl jüdischer Mitglieder bestand.

 

Der See unterhalb des Friesenberghauses (links); der Berliner Höhenweg in Richtung Olperer Hütte (rechts).

Nachdem wir zum FBH zurückkehrten und einen zweiten Kaffee genossen haben, starteten wir gegen 11:20 Uhr in Richtung Olperer Hütte. Vom FBH kurz westlich bergab, über den Wasserablauf des Friesenbergsees hinweg in steilen Kehren hinauf zur Abzweigung auf 2620 Meter. Weiter durch eine steile Geröllflanke, dann zunehmend übe Wiesen in südliche Richtung. Zumeist leicht absteigend erreicht man die beeindruckende Hängebrücke über den Alelebach und kurz danach die Olperer Hütte. Für dieses schöne Teilstück brauchten wir genau 2 Stunden (ca. 150 Hm Aufstieg; 250 Hm Abstieg).

 

Die Hängebrücke kurz vor der Olperer Hütte mit Blick auf den Schlegeisspeicher, Gletscher und die Zillertaler 3000er.

Das Wetter meinte es nun sichtlich besser mit uns, der Himmel riss auf und bot uns ein faszinierendes Farbenspiel. Der atemberaubende Blick gen Norden mit dem Schlegeisspeicher im Tal, die Gletscher und 3000er im Hintergrund bei weiß-blauem Himmel und Sonnenschein war ein absolutes Highlight dieser Tour.

 

Die Olperer Hütte der Sektion Neumarkt i. d. Opf. ist eine neu errichtete Hütte mit einem über die gesamte Hüttenbreite verlaufenden Panoramafenster. Der Neubau erfolgte im Oberpfälzer Baustil, also ohne Dachüberstände, was regional eher untypisch ist und häufig zur Thematisierung führt. Wer also eine moderne, neue Hütte mit hellem Holz und zeitgemäßem Interieur bevorzugt, ist hier genau richtig. Wir genossen Kaiserschmarrn und andere Leckereien bei perfektem Blick in die Ferne und wurden dabei von Livemusik begleitet. Eine junge Frau vom Hüttenteam spielte einige Lieder auf der Harve - ein Genuss.

  

Die Olperer Hütte des DAV Neumarkt i. d. Opf (links), Stärkung bei Live-Musik, im Hintergrund die Hüttenpächterin (rechts)

Um 14:45 Uhr stiegen wir dann auf direktem Wege zum Speicher ab. Kurz vor 16 Uhr erreichten wir das Zamseneck, schlenderten entlang des Stausees (1782 Meter) und stiegen letztlich in steilen Kehren zum Furtschaglhaus (2995 Meter) auf. Das Wetter war nahezu perfekt und sollte auch die nächsten Tage so bleiben. Gegen 18:15 Uhr erreichten wir unser Ziel und genossen den verbleibenden Abend. Wir lernten Evi, Eva und Maria aus München kennen und verbrachten einen geselligen Abend.

 

Abstieg von der Olperer Hütte zum Schlegeisspeicher.

Die Nacht gestaltete sich eher schwierig. In einem gut zu 2/3 belegten 30er Lager war ein "Wahnsinns-Schnarcher" dabei, der ein Einschlafen unmöglich machte. Ich wanderte aus und fand einen Platz in einem ruhigerem Lager.

 

Das Furtschaglhaus (links); geselliger Abend mit den Münchener Wanderdamen Evi, Eva und Maria (rechts).

In der Hütte wird seit geraumer Zeit eine zentrale Handy-Ladeecke betrieben (links); unser "Schnarch-Lager" (rechts)

 Tag 3: Furtschaglhaus - Schönbichler Horn - Berliner Hütte

(Gehzeit: ca. 7,5 Stunden; 950 Hm Aufstieg; 1200 Hm Abstieg)

Dieser Tag sollte uns jenseits der 3000er Marke führen. Die Überschreitung des Schönbichler Horns (3131 Meter) ist wegen der leichten Erreichbarkeit ein vielbesuchter und trotzdem lohnenswerter Gipfel.

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Aufbruch zum Schönbichler Horn.

Blick auf das Furtschaglhaus (links); Aufstieg zum Schönbichler Horn (rechts).

Wir starteten gegen 08:45 Uhr unsere Tagesetappe zur Berliner Hütte. Der gut markierte Weg führte durch das Furtschaglkar, weiter in Serpentinen hinauf auf einen Felsvorbau und dann durch Geröll in Richtung Gipfel des Schönbichler Horns. Durch die Südflanke steigt man kurz seilversichert in eine Scharte empor. Die letzten Meter gehen luftig und seilgesichert in leichtester Kraxelei über den Südgrat zum Gipfel des Schönbichler Horns.  Ein Klettersteigset ist für den Aufstieg nicht erforderlich, nennenswerte klettertechnische Herausforderungen zur Gipfelbesteigung gibt es nicht. Kontinuierliche Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind jedoch Voraussetzung für eine sichere Besteigung.

 

Die letzten Meter zur Scharte kurz unterhalb des Gipfels waren seilversichert. Hier staute es sich geringfügig.

Um 11:40 Uhr erreichten wir den Gipfel bei Sonnenschein und blauem Himmel. Die letzten Meter vor Erreichen der Scharte sammelten sich die Bergwanderer und es kam zu leichten Stauungen. Der Scharten- und Gipfelaufstieg birgt grds. Staugefahr und bildete auch bei unserer Tour ein Nadelöhr. Über eine dreiviertel Stunde genossen wir unser Gipfelglück und die faszinierende Bergkulisse. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, die Sonne brannte und Wolken waren nirgends auszumachen.

 

Gipfelkreuz des Schönbichler Horns auf 3131 Meter.

Der Abstieg zur Berliner Hütte führte zunächst steil und seilversichert durch die Ostflanke des Berges. Dieses kurze Teilstück hatte den Charakter eines einfachen Klettersteiges, bei welchem jedoch eine Ausrüstung nicht unbedingt erforderlich ist. Alle uns begegneten Bergwanderer absolvierten das Teilstück ohne Klettersteigset. Nach der kurzen Kraxelei geht der Weg in einen gut begehbaren Steig über. Hier entdeckten wir einen einzelnen Steinbock, welcher sich von uns nicht beirren ließ und sich lange stolz und erhaben präsentierte.

 

Rundumblick bei traumhaften Bedingungen.

Wir machten eine weitere ausgiebige Pause auf einer großflächigen, von der Sonne aufgeheizten, Steinplatte. Diese befand sich an einem Schneefeld, sodass eine Schneeballschlacht nicht lange auf sich warten ließ. Mit Blick auf den Großen Möseler verbrachten wir hier nochmal ca. 45 Minuten.

 

Der Abstieg vom Gipfel ähnelt einem einfachen Klettersteig. Eine Seilsicherung ist vorhanden, Kletterausrüstung wird nicht benötigt.

 

Der Weg führte dann durch das Garberkar  und weiter steinig bergab. Nach etlichen Kehren erreichten wir die westliche Seitenmoräne des Waxeggkees, an welcher wir bergab bis auf reichlich 2000 Meter liefen. Letztlich noch hinunter zum Waxeggbach, welcher uns gerade recht kam und eine erfrischende Abkühlung bot. Wir legten uns in den kühlen Bachlauf und waren froh über diese körperliche Wellnessbehandlung. Der Abstieg war zäh und zog sich sehr. Auffällig war zudem, dass der Weg  weitestgehend aus größeren Steinen bestand, von welchen man oft vom Einen zum Anderen leichtfüßig "hüpfen" musste.

 

Eine dreiviertel Stunde relaxten wir bei Sonnenschein und erholsamer Ruhe.

Die letzten Meter in Richtung Berliner Hütte führten uns noch über den Hornbach und zuletzt etwas ansteigend hinauf zur Berliner Hütte, welche wir um 17:30 Uhr erreichten.

Die Berliner Hütte: eine untypische, aber sehr beeindruckende Bergunterkunft.

Frühstück auf der Terrasse der BH (links), der "Damenraum" der BH (rechts).

Das große, einzig denkmalgeschützte, traditionelle Haus erwartete ich mit gemischten Gefühlen. Ich war gespannt, ob die Größe sowie die Art des Hauses einen ursprünglichen, bescheidenen und einfachen Flair einer Bergunterkunft, wie ich ihn in den Bergen bevorzuge, zu vermitteln mag. Meine Skepsis war aber sehr schnell verflogen. Die Berliner Hütte ist zwar wirklich groß, aber dennoch angenehm. Sie wirkt durch ihre hohen Räume und dunkel vertafelten Wände/Decken sehr erhaben. Die Räumlichkeiten waren zum Teil mit Kronleuchtern versehen. Insgesamt wirkte sie sehr rustikal und lud zum Verweilen ein. Wir genossen unsere Getränke sowie das Essen auf der südseitig gelegenen Terrasse und ließen uns von den langsam kraftlos werdenden Sonnenstrahlen noch einmal richtig verwöhnen. Später verbrachten wir den Abend im großen Aufenthaltsraum der Hütte. Der große Raum war bis auf den letzten Stuhl belegt, die Stimmung war ausgelassen. Bei leise im Hintergrund laufender Johnny Cash - Musik tranken wir 1, 2, 3 ... Zillertaler Radler und unterhielten uns angeregt mit Berliner Sektionsmitglieder, welche aktuell zur Hüttenarbeit angereist waren. Wir ließen uns von der Geschichte der Berliner Hütte inspirieren und erfuhren so manche interessante Details. Der Grund/Boden weitflächig um die Hütte herum gehört dem DAV Berlin selbst, die Energiegewinnung erfolgt durch ein eigenes Wasserkraftwerk. Die meisten umliegenden Hütten gehören bzw. gehörten einmal dem DAV Berlin.  So erfuhren wir auch, dass die Olperer Hütte, welche ebenso ursprünglich den Berlinern gehörte, aufgrund neuer EU-Richtlinien einer kompletten Sanierung bedurfte und die Berliner Sektion dies nicht stemmen wollte bzw. konnte. So wurde die Hütte an den DAV Neumarkt i. d. Opf. verkauft, welche sie abriss und neu errichtete.

 

Wir bekamen an diesem Tag ein 3-Bettzimmer zugewiesen, in welchem wir hervorragend nächtigten.

Fazit: Die Berliner Hütte ist keine typische Hütte, aber absolut sehenswert.

 Tag 4: Berliner Hütte - Schwarzensee - Eissee - Melkerscharte - Maxhütte - Ginzling

(Gehzeit: ca. 7 Stunden; 900 Hm Aufstieg; 1900 Hm Abstieg)

Der Schwarensee; von der BH aus einfach zu erreichen.

Unseren Abstiegsweg nach Ginzling wählten wir über die Melkerscharte (2828 Meter).

Um 09:30 Uhr starteten wir unsere letzte Etappe in Richtung Schwarzensee. Der Weg 502 führte über die Moorböden der Schwarzensteinalpe bergan bis zum See. Nach gemütlichen 1,5 Stunden erreichten wir auf einfachem Weg in Richtung Greizer Hütte den wunderschön gelegenen Bergsee auf 2472 Meter. Eine Idylle inmitten der atemberaubenden Gipfelszenerie. Nach einer kurzen Pause stiegen wir letztlich durch das obere Feldkar, vorbei am Eissee bis zur Melkerscharte auf 2828 Meter. Um 11:50 Uhr erreichten wir auf ca. 2700 Meter den beeindruckenden Eissee, in welchen eine Schnee-/Eiszunge mündete. Die Sonne meinte es derart gut mit uns, dass wir hier ein genussvoll kühles Höhenbad nahmen - ein bleibendes Erlebnis der besonderen Art.

 

Ausläufer des Eissees kurz unterhalb der Melkerscharte.

Ein "Eisbad" bei Sonnenschein im Eissee (links); Pause auf der Melkerscharte (rechts)

Auf überraschend gut markiertem Weg stiegen wir zur Melkerscharte empor, welche wir um 12:45 Uhr erreichten. Wir genossen knapp eine halbe Stunde letztmalig dieses spektakuläre Hochalpenfeeling bevor wir den einsamen Abstieg ins Gunggl begannen.

 

Dann begannen 1900 Hm Abstieg durch das Gunggl nach Ginzling; teilweise eine Kraxelei.

    Der Abstieg war zum Teil steil, ausgesetzt und eine echte Kraxelei. Seilsicherungen waren nicht vorhanden. Wir passierten etliche Schneefelder und Wasserfälle bevor wir nur sehr langsam dem Zemmgrund näher kamen. Vorher legten wir uns nochmals ins kühle Nass des Gletscherbaches und gönnten uns im Verlaufe noch ein kühles Radler in der Maxhütte (1445 Meter).

  

Das Wetter war derart perfekt, dass wir nochmals ein erfrischendes Bad nahmen, um unsere Körper abzukühlen.

Um 17:30 Uhr erreichten wir den Gasthof Altginzling und beendeten unsere Bergtour mit einem leckeren Fischessen.

Maxhütte - 1445 Meter, der letzte Stopp vor Ginzling.

Fazit: Vier Tage auf dem Berliner Höhenweg waren ein besonderes Erlebnis. Zum Einen die stete Höhe über 2000 Meter verbunden mit der spektakulären Kulisse der Zillertaler 3000er. Zum Anderen die gebotene natürliche Vielfältigkeit, insbesondere die bleibenden Eindrücke der Panoramabilder mit Speicher, Gletscher und Gipfeln sowie die Überschreitung des Schönbichler Horns. Die Begehung dieser Runde sollte bei allen Höhenweg-Liebhabern unbedingt auf der "to do - Liste" stehen. Unsere Hüttentour war überwältigend und wird noch lange in Erinnerung bleiben.

Weitere Informationen

  • Route Aufstieg: Mehrtagestour: Ginzling - Rauth - Pitzenalm - Berliner Höhenweg - Friesenberghaus - Petersköpfel - Olperer Hütte - Schlegeisspeicher - Furtschaglhaus - Schönbichler Horn - Berliner Hütte - Schwarzensee - Eisseee - Melkerscharte Gunggl - Maxhütte - Ginzling
  • Route Abstieg: s. Aufstieg
  • Dauer für Aufstieg: 6,5 Stunden
  • Dauer für Abstieg: 6,5 Stunden
  • Ziel Höhe / Gipfel: 3131 Meter
  • Höhenmeter: 4500 Meter
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Empfohlende Wandermonate: Juni - September
  • Klettersteig: nein
  • Sehenswürdigkeiten: - Gipfelplateau des Petersköpfel - Hängebrücke vor der Olperer Hütte mit Panoramablick - Gipfel des Schönbichler Horns - Schwarzensee / Eissee - Melkerscharte
  • Einkehrmöglichkeit: - Altgasthof Ginzling - Friesenberghaus - Olperer Hütte - Zamseneck - Fischerhütte - Furtschaglhaus - Berliner Hütte - Maxhütte
  • Schuhwerk: knöchelhohe Bergschuhe mit guter Profilsohle
  • Trittsicherheit: erforderlich
  • Schwindelfrei: erforderlich
  • Weiterempfehlen: ja - ich würde die Tour wieder machen
  • Hinweis:

    Die Benutzung des Tourenberichtes erfolgt auf eigenes Risiko. Es wird keine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art übernommen. Aufgrund der z. T. langen Wegabschnitte ist eine gute Kondition Voraussetzung.

Alexander B.

"Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen" (Goethe)

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