Dunkelwald und Räuchermann: Wandern im Nationalpark Erzgebirge/ Vogtland

Das Erzgebirge liegt im Süden Sachsens und bildet die Grenze zwischen Sachsen und dem tschechischen Böhmen. Von Nord nach Süd ansteigend fällt der pultähnliche Höhenzug nach Tschechien schroff ab. Der frühere "Dunkelwald" tauschte seinen Namen aufgrund der Entdeckung hoher Erzvorkommen im 16. Jahrhundert ein. Heute ist das Erzgebirge bekannt für seine vielseitige Landschaft mit seltener Flora und Fauna. Während ein 5000 km langes Wanderwegenetz Kultur und Geschichte mit einem einzigartigen Naturerlebnis verbindet, bieten Lehrpfade und Sehenswürdigkeiten erstaunliche Einblicke in die Tradition einer von Bergbau und Volkskunst geprägten Region.

Kammweg und Schwarzwassertal

Das Erzgebirge wird von einem gut ausgebauten Netz von Gebietswanderwegen durchzogen. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade bedienen jedes Fitnesslevel. Eines der schönsten deutschen Mittelgebirgstäler ist das von der Schwarzen Pockau durchströmte Schwarzwassertal. Die höchste Erhebung auf der deutschen Seite dagegen ist der Fichtelberg mit 1215 m Höhe. Der europäische Fernwanderweg E 3 verbindet das Schwarze Meer mit dem Atlantik und durchquert das böhmische Erzgebirge in Richtung Elbsandsteingebirge. Auch der Kult-Fernwanderweg von Eisenach nach Budapest (Internationaler Bergwanderweg der Freundschaft), führt durch den erzgebirgischen Nationalpark.

Ein Geheimtipp ist der 289 km lange Kammweg Erzgebirge-Vogtland von Geising im Osterzgebirge nach Blankenstein in Thüringen. Er wurde bereits 1904 eröffnet und verläuft nicht nur entlang der Kammlinien vom Elstergebirge durch das Erzgebirge zum Altvatergebirge, sondern ermöglicht am Wegesrand informative Einblicke in Handwerks-, Kultur- und Entwicklungsgeschichte der Region. Seltene Pflanzen- und Tierarten sowie atemberaubende Ausblicke gaben diesem Wanderweg die Auszeichnung "Qalitätsweg Wanderbares Deutschland". Gebiets- und Tourismusvereinigungen bieten geführte Touren und einen Gepäckservice an, der auch von Alleinreisenden genutzt werden kann.

Aus der Not geboren: Holzkunst der Bergleute

Die Entdeckung der Erzvorkommen bescherte der Region des "Dunkelwaldes" nicht nur einen neuen Namen, sondern auch einen rapiden Bevölkerungsanstieg. Die Arbeit in den Erzminen lockte zahlreiche Zuwanderer, die allerdings in den langen Wintermonaten ihren Lebensunterhalt ohne Arbeit und Einkommen nur schwer bestreiten konnten. So entwickelte sich über die Holzwirtschaft ein Nebenzweig: die Spielzeugproduktion.

Die Spielzeuge und Miniaturen spiegelten das Leben der Bergleute und wurden zunächst nur für den eigenen Gebrauch hergestellt. Später erlangten Schwibbogen und Räuchermännchen als Zeugnis regionaler Schnitz- und Drechselkunst über die Landesgrenzen hinaus große Bedeutung in der Handwerkskunst.

Wandern mit allen Sinnen

Besondere Auszeit: Mitten im Erzgebirge bietet das kleine Dorf Seiffen mit seinem Spielzeugmuseum und dem Erzgebirgischen Freilichtmuseum dem Wanderer Rast für die Füße, während das Auge auf eine Reise durch die Jahrhunderte eingeladen wird.

Reiner

Ich bin seit meiner Kindheit viel in den Bergen unterwegs. Mit meinem Bergfreund Sebastian habe ich deshalb das Projekt wandersüchtig.de gestartet. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und würde mich freuen, wenn Ihr öfters bei uns vorbeischaut.