Getting Tough 2015 – Mehr als nur ein Rennen

Getting Tough 2015 – Mehr als nur ein Rennen by Andi B.

Getting Tough 2015 – Mehr als nur ein Rennen

Es gibt so Entscheidungen, die man spontan trifft und sich im Nachhinein als wertvolle Erfahrung herausstellen. So geschehen beim diesjährigen Start Limes Run in Bad Gögging. Im lockeren Plausch im Teilnehmerfeld, meinte ein Laufkollege, dass der krasseste Lauf der Getting Tough Anfang Dezember ist. Mich lies der Gedanke auch nach dem Limes Run nicht los und so meldete ich mich, im Namen von Athletes for Charity, an. Hier möchte ich mich auch gleich bei allen Veranstaltern (Pas Team, Getting Tough) bedanken, dass sie soziale Projekte immer unterstützen! Für mich persönlich ist es eine geniale Situation, soziale Projekte durch Sport supporten zu können.

Die Tage wurden kürzer, das Rennen rückte immer näher und dann kam auch noch die Zeitumstellung dazu, welche meinen Trainingsehrgeiz nicht gerade unterstützt hat. Es gibt einfach nichts Schöneres wie bei Tageslicht zu laufen. Mit Job ist das ab November kaum mehr möglich. Also den ein oder anderen Tag frei genommen, um die längeren Laufeinheiten auf diese Tage zu schieben. Die Ausrüstung für das Rennen wählte ich am Abend vorher. Natürlich hatte ich mir passende Neoprenhandschuhe, Halstuch und Trail Laufschuhe gekauft. Die Klamotten habe ich zusätzlich mit Nikwax gewaschen. Der Vorteil ist ein besserer Feuchtigkeitstransport und Windschutz von der Bekleidung.

Am Tag des Rennens ging es in der Früh die 170 km Richtung Rudolstadt. Dort angekommen stieg die Nervosität sehr schnell an. Es war ein wahnsinnig genialer Anblick die ganzen Hindernisse zu sehen. Panzer auf der einen Seite und meterhohe Holzwände auf der anderen. Zwischendrin lauter Läufer die sich, mit einem Grinsen im Gesicht, auf den Hindernissen fotografieren ließen. Die Läufer sammelten sich ca. eine viertel Stunde vor dem Ausmarsch alle im Hauptzelt. Es wurde Zeit für den gemeinsamen Marsch Richtung Startfeld. Vorneweg marschierten die beiden Organisatoren Markus Ertelt und Michael Kalinowski. Dahinter Dudelsäcke und eine Truppe von Rugby-Spielern die noch eine wichtige Rolle einnehmen sollten. Die Läufermeute folgte diesem Gespann. Unterwegs unterhielt ich mich mit erfahrenen Getting-Tough Teilnehmern und stellte erste Fehler fest (Bademütze nicht dabei). In diesem Moment war mir das aber egal. Ich genoss es einfach unter 3200 Startern zu stehen und dabei sein zu dürfen.

Es war nun kurz nach 10 Uhr und zwei Probellermaschinen flogen über meinen Kopf hinweg. Wenig später erfolgte der Massenstart. Wow!!! Mein erster Massenstart. Es ist faszinierend wenn sich über 3000 Menschen gleichzeitig in Bewegung setzen. Nach wenigen hundert Metern ging es dann zum ersten Kriechhinderniss. Bereits jetzt machten sich die Neoprenhandschuhe sowie die knielange Hose positiv bemerkbar.

Vom Krabbelmodus ging es direkt in zwei Wassergräben die man durchqueren durfte. Es ist ein tolles Gefühl 24 km mit nassen, sandgefüllten Schuhen zu laufen. Hinter den Graben warteten direkt die Rugby Spieler und gaben den einen oder anderen Check mit auf den Weg. Man hatte nun auch keine richtige Zeit sich einzulaufen. Es ging sofort steil los. Ich befand mich im Hauptfeld und aufgrund der engen Straße stauten sich die Läufer kurz. Aber durchschnaufen hat ja noch nie geschadet. Es ging weiter einen Hügel hoch und runter, kurz darauf die ersten Hindernisse auf den Weg zu den Autoreifen. Bei den Autoreifen einfach einen geschnappt und weitergelaufen. Nach dem kurzen Rundparcour mit den Reifen kam die erste Verpflegungsstation. Kräfte sammeln war angesagt, da es der erste große Anstieg vor einem lag. Die 1000 Höhenmeter müssen ja auch irgendwie zustande kommen.

Auf dem ersten Gipfel stand ein Bus quer zur Laufstrecke. Also unten durch rutschen und auf der anderen Seite frisches Wasser und Obst am Verpflegungsstand genießen. Die Absperrbanden konnten gut überquert werden und auf der Strecke bergab versuchte ich Tempo zu halten und mich zu erholen. Nach ca. 5 Minuten ging es auch schon wieder Bergauf inklusive Bocksprünge. Toll! Die Kraft die man gesammelt hat, war schon fast wieder weg! Trotzdem weiterlaufen und im Hauptfeld mitschwimmen war in diesem Fall für mich die Devise. Nach ca. 11 Kilometer ging mir schon ganz schön die Puste. Hätte nie gedacht dass ein Lauf so anstrengend sein könnte. Es kamen zudem Zweifel ob ich den Lauf schaffen könnte. In solchen Momenten kommen dann auch die ersten kleinen Wehwehchen dazu. Aber es muss trotzdem weitergehen. Der letzte Anstieg bevor das Rennen nun erst richtig losging. Ich konnte bereits die Musik von der Band hören. Der Startbereich war also nicht mehr weit entfernt. Aus dem Hindernis mit den zwei Gräben wurde aber nun ein Schlauch in Form von einem U der einmal komplett durchgewatet werden musste. Ein Kneippbecken ist wirklich harmlos dagegen. Raus aus dem Wasser und runter zum Krabbeln. Noch gemeiner kann eine Konstellation von Hindernissen echt nicht sein! Die genaue Reihenfolge der weiteren Hindernisse habe ich nicht mehr im Kopf. Jedoch erinnere ich mich an das Sandsäcke schleppen. Brutal wie schwer so kleine Säcke werden können. Nun kam das erste große Hindernis im Freibad. Ja ich wusste, dass ich eine Bademütze nicht dabei hatte und konnte nur zusehen wie sich andere mit Mütze durch das Freibad durchtauchen und quälen. Für mich der ganze Spaß also ohne Mütze. Es war abartig. Nach jedem ab- und auftauchen schmerzte mein Kopf immer mehr. Aber aufgeben? Never! Das erste Becken hatte ich überstanden. Nun musste ich mich über das zweite hangeln. Zum Glück waren einige Läufer sehr kreativ und nutzten Arme und Beine um das Hindernis zu überwinden. Eine gute Idee wenn die Kraft nicht mehr ausreicht.

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Nach der letzten Verpflegungsstation vor dem Ziel, ein Schild welches ich mit Freude aufgenommen habe. Nur noch 1000 m! Wirklich!! Irgendwie konnte ich das gar nicht glauben aber die Meteranzahl wird wohl stimmen. Zu diesem Moment hatte ich jedoch vergessen dass es noch zu dem Kinderspielplatz ging.  Der Festplatz gespickt mit Hindernissen aller Art. Tropfend nass (etliche Hindernisse wurden mit frischem Wasser der Saale berieselt) mussten die Hindernisse nun kriechend, kletternd oder hangelnd bewältigt werden. Es war auch die Zeit der Krämpfe. Die Waden und die hintere Oberschenkelmuskulatur meldeten sich immer wieder und wollte eigentlich nicht mehr weiter.

Eine quälend lange Stunde habe ich für den letzten Kilometer benötigt! Aber der Moment als ich das Ziel sah und ich wusste, dass ich es geschafft habe, sorgte für Gänsehaut(neben der Kälte) bei mir.

Die schwere goldene Medaille, Organisatoren die einen im Ziel abklatschen und sich mit einem freuen und eine stolze, fürsorgliche Freundin sind der Lohn für die Strapazen. Alles in allem eine sehr spezielle, einmalige Erfahrung. Für jeden der, gemeinsam mit anderen, seine Grenzen ausloten möchte und Spaß am Laufen hat, gehört so ein Hindernislauf einmal dazu. Ich kann es wirklich nur jedem empfehlen.

Andi B.

Sportler, der insbesondere die Sommermonate zum Bergwandern nutzt und Lust am Reisen hat. Zur Abwechslung darf auch mal ein Hindernislauf absolviert werden.