Getting Tough The Race 2016 - Mehr als nur ein Rennen

Die Hindernisse sind aufgebaut und die Vorfreude ist großBeim zweiten Start von Getting Tough The Race, war das mulmige Gefühl bedeutend höher wie im ersten Jahr. Wesentlich kältere Temperaturen und eine abgeänderte Vorbereitung sorgten für einige Fragezeichen bei mir. Nichtsdestotrotz ging es am 03. Dezember wieder nach Rudolstadt um gemeinsam mit 3000 anderen „Verrückten“ an den Start zu gehen. Die top organisierte Parkplatzkoordination ermöglichte uns relativ problemlos einen passenden Platz zu finden und mit der letzten Vorbereitung  für den Lauf zu starten. Wie immer wurde etwas vergessen aber dazu später mehr.

Startnummernausgabe und anschließend ein kleiner Rundgang um einen Überblick über das Gelände und die wartenden Hindernisse zu erhalten. Michael Kalinowski, Markus Ertelt hat mit seinen Freunden/Kollegen wieder ganze Arbeit geleistet und einen absolut coolen Abschlussparcour aufgebaut. Der gemeinsame Marsch zum Startfeld ist bereits Tradition. Dudelsäcke spielen und das Chefkomitee marschiert voraus. Unter den Startern tauscht man sich aus, welche Ziele man hat, wie oft man schon gestartet ist und vieles mehr. Die Stimmung ist auf alle Fälle Klasse! Mit AC/DC im Hintergrund trifft man auf der Wiese ein. Geil! Zweiter Start, wie ein Deja-vu-Erlebnis. Das Kribbeln und die Vorfreude, dass es bald los geht sind voll da! 3,2,…1!!! Los geht’s! Krabbeln was das Zeug hält und anschließend gleich in die Wassergräben.

Start!!!

Los geht's und kämpfen! Über Teamwork schafft man es am besten aus den Gräben. Die aufgeschütteten Hügel sind durch den Frost entsprechend glatt und ich brauche zwei drei Versuche um dieses Hindernis zu meistern.

Und rein in das frische Wasser, wie eine wildgewordene Horde Gnu's!!

Über die Wiese geht es die erste Steigung nach oben. Mittendrin geht einer meiner Schuhe auf. Mit noch eiskalten Händen ist es mir schier unmöglich die Schuhe zu binden. Es geht also auch mit offenen Schuh J. Der erste Zuschauer musste dann trotzdem dran glauben und mir beim Schuhe binden helfen! Doppelknoten und weiter geht’s. Hier auch nochmal ein Lob an die Zuschauer, ihre Unterstützung entlang der Strecke ist einfach phänomenal. Nach zwei Holzwänden, sind die Reifen an der Reihe. Bergauf und Bergab schleppen um direkt weiter nach oben zu laufen. Ich komme trotzdem in keinen Flow. Stattdessen muss ich immer wieder mal kürzere Strecken gehen um durchzuschnaufen. Irgendwie sind die Berge um Rudolstadt trotzdem anders wie bei mir in der beschaulichen Oberpfalz :D. 50 Minuten nach dem Start erreiche ich die Zwischenzeitnahme inklusive Verpflegungsstation. Vom letzten Jahr weiß ich, dass nun eine etwas längere Strecke bergab bevorsteht um danach die Meter natürlich wieder hochzulaufen. Die größten Hindernisse stellt zu diesem Zeitpunkt der gefrorene Boden für einige Läufer dar. Stolpern, Ausrutschen oder Umknicken einige Läufer verletzten sich genau auf diesem Untergrund. Zum Glück habe ich hier alles heile überstanden und es ging wieder Richtung Startbereich. Für mich, neben dem Freibad, das schlimmste Hindernis. Die komplette Durchquerung des Wassergrabens. Gefühl in den Füßen, Fehlanzeige! Gefühl in den Beinen, Fehlanzeige!

Gute Miene zum schlechten Spiel :D

Die Gesamtlänge von ca. 300m, eiskaltes Wasser und die Unebenheiten im Graben waren einfach grausam. Wichtig war danach sofort weiter zu laufen um wieder Blut in die Beine und Füße zu pumpen. Die Gängeleien hören jetzt aber nicht auf! Kriechen, krabbeln, Tragen, Hangeln, es war alles dabei vor dem großen Finale. Die ersten Wannen mit frischen Saale Wasser zeigen mir, dass es Richtung Freibad geht. Zweimal kurzes Tauchen und anschließend nochmals Krabbeln mit reichlich Wasser im Gesicht und schon war ich am Freibad angelangt. Die Bademütze sitzt und die Läufer schieben einen wie eine Horde Gnu’s ins Wasser hinein. Man möchte ja diese verdammte goldene Medaille und den Stolz es geschafft zu haben. Auf alle Fälle ist es genial, wie die Zuschauer einen unterstützen und anfeuern. Wie bei dem Graben ist es das Beste ohne groß Nachzudenken direkt weiterzulaufen um die nächsten Hindernisse in Angriff zu nehmen. Weil nach dem Hindernis ist ja bekanntlich vor dem Hindernis ;). Auf der Bleichwiese wird man gebührend von einer Wasserwand begrüsst. Einfach nur Wahnsinn! Mehrere Meter hoch stürzt das Wasser eine Holzwand hinab, an der man sich mit einem Seil hochziehen muss. Wasser ist eh ein ständiger Begleiter auf der Bleichwiese, genauso das ständige Kriechen. Fast könnte man meinen, dass die beiden Organisatoren Michael Kalinowski und Markus Ertelt das mit Absicht machen und die Läufer vor den Beiden Niederknien sollen ;-).

Der Gesichtsausdruck lässt die Strapazen erahnen :-)

Aber egal ob Panzer, Boote, Holzwände, Autos, Stromschläge oder Bulldogreifen mit der Hilfe von Läuferfreunden schafft man jedes einzelnes Hindernis. Das erste Mal wo einem das Gefühl von Stolz erfüllt, ist beim Anblick der letzten 50-100m. Dem Walk of Fame vor Augen - das Ziel ganz nah -  geht es vom höchsten Hindernis noch einmal ganz nach unten. Mit ersten Wadenkrämpfen und erschöpft jedoch angetrieben von den Zuschauern geht es über die letzten Hindernisse. Platzangst sollte man auf keinen Fall haben, da die letzte Röhre brutal eng ist! Man hört seinen eigenen Namen über die Lautsprecher, Michael Kalinowski und Markus Ertelt empfangen dich gebührend, wie es für einen Champion gehört. Die Medaille - massiv, schwer und golden - passt perfekt zu den wärmenden Alufolien. Schmerz und Stolz sind gleichermaßen da, aber der Schmerz vergeht, wie bei der ersten Teilnahme auch, und der Stolz wird bleiben, definitiv! An einem solchen Tag ist jeder der teilnimmt, ein Champion! Von dem Orga-Team, dem THW, über die Zuschauer bis hin zu den Läufern die an diesem Event teilnehmen.

Da ist das Ding! I'm a Champion!!!

Ein besonderer Dank gilt auch nochmal dem Team von Getting Tough, die es mir ermöglicht haben für die Athletes4Charity zu starten und damit gemeinnützige Zwecke zu unterstützen. Außerdem noch bei www.Sportograf.com von denen ich die Fotos bezogen habe. Ps: Die Anmeldung für 2017 ging natürlich schon wieder raus :-).

Andi B.

Sportler, der insbesondere die Sommermonate zum Bergwandern nutzt und Lust am Reisen hat. Zur Abwechslung darf auch mal ein Hindernislauf absolviert werden.