Baden-Württemberg – Schwäbische Alb – Albsteig (Etappe 13, Jungingen - Burgfelden)

Blick auf die Burg Hohenzollern Blick auf die Burg Hohenzollern by Bastian D.

Allgemeine Informationen

An meinem letzten Tag beim Top Trails Wandermonat auf dem Albsteig muss ich nicht erst mein Auto zum Etappenziel bringen, heute habe ich den Vorteil, dass meine Unterkunft, das als Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland zertifizierte Hotel Post, direkt am Startpunkt der Etappe liegt. Dennoch kann ich nicht bis in die Puppen schlafen, denn es erwartet mich die Königsetappe. Zumindest was meine Zeit in Schwaben angeht. Also sitze ich um 8:30 Uhr am Frühstückstisch und bediene mich am Buffet, die Wanderer die ich am Vorabend traf sind bereits in Aufbruchsstimmung und verabschieden sich mit den Worten „Man sieht sich zu Mittag im Nägelehaus.“ Nach einem reichhaltigen Frühstück, schließlich liegt gleich zu Beginn ein ordentlicher Anstieg vor mir, packe ich mir zuerst noch ein kleines Lunchpaket für unterwegs, dann meinen Rucksack, trete durch die Tür des Hotel Post und schon bin ich wieder mitten auf dem Albsteig.

Tourenbeschreibung

Ich überquere die als Killertalstraße durch den Ort führende B32 und folge der  Schulstraße bergauf, vorbei an der Wallfahrtskirche St. Sylvester und der ihr gegenüberliegenden Grundschule.

Über einen schmalen Verbindungspfad überquere ich anschließend die Bahngleise und laufe an einer Hühnerwiese vorbei, wo die frühen Vögel schon die ersten Würmer gefangen haben, bis ich die Hochmeisterstraße erreiche. Von dieser geht bald ein stetig ansteigender Schotterweg ab, der mich in den Wald führt, wo bald ein schmaler Pfad in Richtung Hoher Berg abzweigt.

Der Anstieg wird nun merklich steiler und ich erreiche schließlich keuchend und schnaufend einen Zickzackpfad, der mich zur Schutzhütte Himberg auf 854 Metern Höhe führt.

Und so stelle ich mir hier beim Verschnaufen die Frage, ob angesichts des Startpunkts in Jungingen auf 589 Metern und somit 265 Höhenmetern auf nicht ganz 2 Kilometern Strecke es nicht eher Killerberg statt Killertal heißen sollte. Die gute Nachricht allerdings: nun ist erst einmal das Schlimmste geschafft und der Albsteig führt über ein Hochplateau zunächst nur sanft Auf und Ab. Dabei drängt sich nun der absolute Hauptdarsteller dieser Etappe in den Vordergrund: Die auf 855 Metern auf dem Gipfel des Hohenzollern in der Gemeinde Bisingen gelegene Burg Hohenzollern, Stammburg des Fürstengeschlechts der Hohenzollern.

Die Burg in ihrer heutigen Form ist dabei bereits die dritte Burg, die an dieser Stelle errichtet wurde, nachdem die erste, vermutlich im 11. Jahrhundert erbaute Burg 1423 durch die schwäbischen Reichsstädte erobert und zerstört wurde. Die zweite Burg wurde ab 1454 erbaut, aber während des österreichischen Erbfolgekrieges 1744 von französischen Truppen besetzt und verfiel nach deren Abzug im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts. Die dritte Burg entsprang dem Wunsch des aus dem Hause Hohenzollern stammenden späteren Königs Friedrich Wilhelm IV und wurde zwischen 1850 und 1867 erbaut. Ich mache mich wieder auf den Weg, der auf den nächsten Kilometern fast ausschließlich über schmale Pfade entlang des Albtraufs führt, wobei Lücken in den dicht stehenden Bäumen immer wieder den Blick auf die Burg Hohenzollern oder je nach Standort zurück auf Jungingen und den dahinter liegenden Höhenzug freigeben frei geben, über dem sich eine Wolkenfront zusammenzieht.

Nur wenige Male führt der Albsteig auf dieser schönen Passage aus dem Wald heraus auf Wiesenwege, die bereits nach wenigen Schritten wieder zwischen die Bäume und in den Wald hinein führen.

War ich bis hierher noch alleine unterwegs, begegnen mir nun einige größere und kleinere Wandergruppen, die auf dem hier über den Albsteig verlaufenden Rundweg Traufgang Zollernburg-Panorama unterwegs sind.

Die beiden Wege treffen sich in der Nähe des Aussichtspunkts Kohlwinkelfelsen und teilen sich bis zum Nägelehaus Strecke und Wanderer. Ein kurzes Waldstück mit einigen mächtigen Buchen führt mich zum nächsten Aussichtspunkt, dem Hängenden Stein.

 Von hier aus hat man fast den Eindruck, in Jungingen passiert, was den Galliern bei Asterix so viel Angst einjagte: Der Himmel scheint kurz davor zu sein, den Leuten dort auf den Kopf zu fallen…

Auf schmalen Pfaden geht es schließlich weiter zu einem vorläufig letzten, dafür umso spektakuläreren Ausblick auf die Burg Hohenzollern und den Zollernalb-Kreis.

 Das letzte Wegstück zum Nägelehaus führt anschließend über einen Wiesenweg zum 956 Meter hoch gelegenen Raichberg, auf dem der 22 Meter hohe Raichbergturm als Aussichtsplattform thront.

Bevor man hinauf steigen darf, ist allerdings eine Gebühr von 50 Cent fällig, die eine nette ältere Dame vom Schwäbische Albverein in einem Kassenhäuschen im inneren des Turmes in Empfang nimmt. Obwohl ich Mitglied im Deutschen Wanderverband bin und entsprechend den Turm kostenlos nutzen könnte, bezahle ich gerne und bemitleide die Dame beim Erklimmen des Turmes ein wenig dafür, dass sie wahrscheinlich einige Stunden an diesem Sonntag alleine in ihrem Kassenhäuschen sitzen muss. Allerdings ermöglicht sie durch den ehrenamtlichen Einsatz vielen Wanderern tolle Ausblicke von diesem Turm und 50 Cent als Beitrag für die Instandhaltung sind sicherlich auch nicht zu viel verlangt. Oben angekommen bietet sich mir ein toller Ausblick über die Alb, das nur wenige Schritte entfernte Nägelehaus und den benachbarten Zollersteighof.

Ich halte mich nicht lange oben auf, denn mittlerweile ist es doch recht frisch und windig geworden. Außerdem bin ich neugierig, ob die anderen in Jungingen gestarteten Wanderer noch im Nägelehaus sitzen. Und eine kleine Stärkung kann ich auch gebrauchen, schließlich liegen noch ca. zwei Drittel der Etappe vor mir.

Und tatsächlich, die Bekannten aus dem Hotel Post sitzen noch an ihrem Tisch, die Teller sind jedoch schon leer gegessen und nach einem kurzen Plausch brechen sie schon wieder auf, gespannt auf den weiteren Verlauf der Etappe, die sie bisher immer nur bis hierher an das große Wanderheim gegangen sind. Ich dagegen kämpfe nun erst einmal mit einem großen, leckeren Schnitzel, halte mich danach aber angesichts der noch langen Wegstrecke nicht mehr lange im Wanderheim auf, sondern mache mich frisch gestärkt wieder auf den Weg. Dieser verläuft zunächst auf weiteren Wiesenwegen, vorbei am Zollersteighof, ehe es wieder auf schmalen Pfaden unter den Bäumen entlang des Albtraus geht.

Bald kommt mit dem Heiligenkopf auch schon der nächste Aussichtspunkt, der wieder mit einer neuen Perspektive auf die Burg Hohenzollern aufwartet. Gleichzeitig ist es aber auf dieser Etappe auch die letzte Aussicht auf die Burg, die wir bis hierhin in einem Viertelkreis umrundet haben.

Der Himmel zieht sich nun auch über mir zu und es wird zum ersten Mal etwas ungemütlich auf der Alb, an ungeschützten Stellen pfeift der Wind kühl um mich herum, an den geschützteren wird mir in der Jacke dagegen schnell warm. Verbunden mit den häufig wechselnden Auf und Ab Passagen heißt es fast minütlich: Reißverschluss auf, Reißverschluss zu… Vorbei am kleinen Aussiedlerhof Geifitze erreiche ich bald den Irrenbergblick, den letzten Aussichtspunkt, bevor mich der Abstieg ins Tal zur Stichwirtschaft erwartet.

Die Stichwirtschaft, an der mich eine Schafsherde freudig begrüßt, ist auch der Startpunkt für den Traufgang Zollernburgpanorama, entsprechend voll sind auch die umliegenden Parkplätze und ich bin in der Folge erst einmal wieder alleine unterwegs.

Ich quere hier die L360 und folge dann für ein paar hundert Meter der K7141, ehe ich nach rechts in den Wald abbiege, wo schließlich der zweite nennenswerte Anstieg des Tages auf mich wartet. Dieser führt mich auf einem schmalen Pfad zum Parkplatz Zitterhof, dem Startpunkt des Traufgangs Wiesenrunde.

Wie der Name schon vermuten lässt, geht es nun erst einmal über die Wiesen rund um den Zitterhof und die benachbarten kleineren Siedlungen, ehe der Weg mich in den Wald führt, wo es sich auf frisch aufgefülltem Schotter leider nicht so bequem gehen lässt. Dafür hat sich die Sonne wieder durch die Wolken gekämpft und wärmt mich wieder auf.

Im Anschluss führt mich ein Schotterweg hinab ins Tal, wo ich kurz vor Pfeffingen die L442 überquere und nach kurzer Zeit den als Naturdenkmal ausgewiesenen Rastplatz am alten Brunnen erreiche, von dem aus man zugleich eine schöne Aussicht über Pfeffingen hat.

Von hier aus kontaktiere ich auch das Taxiunternehmen, das mich im Anschluss an meine Tour in Burgfelden abholen und wieder nach Jungingen bringen soll, schließlich sind es nur noch gute 3,5 Kilometer bis zum Etappenziel. Diese haben es allerdings noch einmal in sich, unmittelbar hinter dem Brunnen geht es steil bergauf in den Wald in Richtung Aussichtspunkt Böllat.

 Erste tolle Ausblicke ergeben sich bereits nach dem kurzen, aber giftigen Anstieg, aber diese sind kein Vergleich zu dem spektakulären Panorama vom Böllat aus in Richtung Balingen.

Auf den letzten Metern vor dem Böllat habe ich auch meine Bekannten aus dem Hotel wieder eingeholt und wir genießen gemeinsam die schöne Aussicht und ziehen unser Fazit für die Tour, die wir insgesamt sehr schön fanden, die unterwegs zwischen Stichwirtschaft und Pfeffingen aber auch ihre Längen hatte. Allerdings bleibt das bei einer Streckenwanderung nicht aus und gerade der erste Teil der Tour mit den dauernden Aussichten auf den Zoller und die Burg sowie der letzte Teil mit dem Brunnen und den tollen Ausblicken sind so beeindruckend, dass einem der mittlere Teil automatisch nicht so spannend erscheint.

Anschließend verabschieden wir uns, für meine Wanderbekanntschaften geht es mit dem in der Nähe abgestellten Auto wieder nach Hause, während ich mir einen Sonnenplatz auf der Terasse vom hoffnungslos überfüllten Berg-Café Wedel sichere und auf mein Taxi warte, dass mich zurück nach Jungingen bringt.

Hier steht noch ein wirklich gutes Abendessen im Hotel Post an, von wo aus ich am nächsten Morgen nach drei erlebnisreichen Wandertagen auf sehr abwechslungsreichen Etappen eines Top Trails of Germany und drei tollen Unterkünften mit sehr netten Gastgebern wieder die Heimreise antrete. Auch an dieser Stelle nochmal vielen Dank an das Albsteig-Team für die perfekte Organisation.

Weitere Informationen

  • Route Aufstieg: siehe Tourenbericht
  • Route Abstieg: siehe Tourenbericht
  • Dauer für Aufstieg: 4 Stunden
  • Dauer für Abstieg: 3,5 Stunden
  • Ziel Höhe / Gipfel: ca.1002 m
  • Höhenmeter: 670 m
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Empfohlende Wandermonate: April - Oktober
  • Klettersteig: nein
  • Sehenswürdigkeiten: aussichtsreiche Tour mit wundervollen Ausblicken auf die Burg Hohenzollern, Raichbergturm, verschiedene Aussichtsfelsen, Naturdenkmal Brunnen-Verpflegungsstelle, Aussichtspunkt Böllat
  • Einkehrmöglichkeit: Am Start in Jungingen Hotel Post, unterwegs Wanderheim Nägelehaus, Stichwirtschaft, am Ziel Berg-Café
  • Schuhwerk: knöchelhohe Bergschuhe mit guter Profilsohle
  • Trittsicherheit: erforderlich
  • Schwindelfrei: nicht erforderlich
  • Weiterempfehlen: ja - ich würde die Tour wieder machen
  • Hinweis:

    Die Benutzung des Tourenberichtes erfolgt auf eigenes Risiko. Es wird keine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art übernommen.

Bastian D.

Ich komme aus dem schönen Hunsrück und bin hauptsächlich auf den hier nur so aus dem Boden schießenden Wanderwegen unterwegs. Immer mit dabei ist mein Hund Kenny, der mich ohne Rücksicht auf das Wetter oder meine Tagesform nach draußen treibt.Außerdem bin ich zertifizierter Wanderführer und biete (nicht nur) für Gäste unserer Ferienwohnung Dickbaums geführte Wanderungen an. Ich hoffe meine Touren- und Testberichte sind hilfreich und würde mich freuen, Leser von wandersuechtig.de als unsere Gäste begrüßen zu dürfen.

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