Kanada Mt. Revelstoke und Glacier Nationalpark

Neben den Nationalparks Banff und Jasper lagen auch noch vier weitere, kleinere Nationalparks auf unserer Route durch Alberta und British Columbia. Nachdem wir Jasper verlassen hatten, beschlossen wir, zwei Tage Auszeit von den Bergen zu nehmen, fuhren von Valemount nach Kamloops und gönnten uns mal einen Tag in einer kanadischen Kleinstadt. Das ermöglichte uns auch, die nächsten Tage etwas vorzuplanen, wenn der Mt. Revelstoke Nationalpark und der Glacier of Canada Nationalpark auf dem Programm stehen. Und so stießen wir auch auf die Glacier Raft Company mit Sitz in Golden am Rande des Glacier Nationalparks, die Raftingtouren auf dem Kicking Horse River anbietet. Vielversprechender Name, dachten wir uns und buchten für uns die White Water Discovery Tour. Von hier aus ging es dann weiter zum Mount Revelstoke Nationalpark. Der Plan war, diesen über den Meadows in the Sky Parkway bis zum Gipfel mit dem Auto zu erkunden und anschließend noch eine kleine Wandertour zu unternehmen. Von dem kleinen Ort Revelstoke waren wir dabei sehr angetan, als wir uns zunächst im Visitor Center umsahen. Dort erfuhren wir auch, dass der Parkway noch nicht komplett geöffnet war und man nur eine kurze Strecke hinein fahren könne. Das taten wir dann auch und mussten dafür zunächst mal durch die kleinste Einfahrt eines Nationalparks, die wir bislang gesehen hatten. Hat aber auch was für sich…

Die nächste Überraschung: laut Anschlag sollte die Schrankenanlage hier schon um 17 Uhr schließen, besonders viel Zeit blieb uns nun also nicht mehr. Also bleiben wir beim ursprünglichen Plan, nur dass wir nicht bis zum Ende des Parkways fahren können, sondern nur bis zur Sperre. Bis dahin halten wir an verschiedenen Aussichtspunkten mit tollen Ausblicken ins Tal und auf die Stadt Revelstoke oder auch zahlreiche kleine Wasserfälle, die aus versteckten Quellen wie aus dem Nichts sprudeln.

 

Auf dem Weg zurück nach unten stoppen wir dann unweit der Parkeinfahrt, um den kleinen Rundweg Inspiration Woods zu laufen. Aufgrund der frühen Schließung des Parks und des regnerischen Wetters passt der kurze, drei Kilometer lange Weg perfekt.

Allerdings haben wir hier einen kleinen Ausfall, Daniel hat keinen Bock und hält lieber ein Nickerchen im Auto, während Philipp und ich uns auf den Weg machen. Der Weg verläuft ausschließlich auf einem schmalen Pfad durch den dichten Wald, Wurzeln, Farne, regenwaldartige Flechten und ein paar kleine Bäche sorgen dafür, dass der Weg nicht langweilig wird.

 

Trotz einiger kurzer, steiler Rampen ein leichter Weg und wirklich eine schöne Kurztour für Zwischendurch, die uns gut gefallen hat und beim Entspannen nach der Autofahrt half. Wobei Daniel nach seinem Schläfchen auch sehr entspannt wirkt, als wir wieder am Auto ankommen… Anschließend beziehen wir unser Zimmer in einem der üblichen Ketten-Motels am Rande des Ortes und fahren dann ins Zentrum, um uns das Städtchen anzuschauen und etwas zu essen. Es gibt sogar einen kleinen, feinen Downtown District in Revelstoke mit vielen kleinen Shops und Läden, wie wir jetzt feststellen. Allerdings sind sie schon alle geschlossen. Wir geraten dann eher zufällig in die eine Bar mit vielversprechendem Namen: der Village Idiot. Von außen nicht besonders einladend, wollen wir aufgrund des Namens wenigstens einen kurzen Blick hinein werfen und sind überrascht. Die Bar ist bis auf den letzten Platz gefüllt und das offenbar hauptsächlich mit Locals. Wir haben Glück und es wird gerade ein Tisch frei, anschließend sehen wir, wie einige Besucher an der Tür abgewiesen werden, die Bar platzt aus allen Nähten. Und das zu Recht, wie wir beim Essen feststellen, Burger, Pizza, Pasta, Steak in einem urigen Ambiente mit Skihüttenfeeling… klare Empfehlung für den Village Idiot mit seinen mit Skiern und Snowboards verkleideten Wände. Der perfekte Ort für den Abschluss des Tages.

Am nächsten Morgen soll es für uns weitergehen nach Golden und in den Glacier Nationalpark of Canada, nicht zu verwechseln mit dem gar nicht so weit entfernten Glacier Nationalpark in Montana, USA. Wir wollen vorher noch einmal in den Downtown District von Revelstoke, um uns mit etwas Proviant einzudecken und erleben die nächste Überraschung. Samstags findet hier ein Markt mit einheimischen Produkten statt, von selbstgemachten Waffeln über Kunst bis hin zu Bekleidung gibt es hier fast alles in einer extrem entspannten, freundlichen Atmosphäre verteilt über 2-3 Straßenblocks. So verbringen wir doch noch etwas mehr Zeit als ursprünglich geplant in Revelstoke, ehe wir pünktlich mit dem einsetzenden Regen Richtung Golden aufbrechen. Unterwegs wollten wir am Rogers Pass Discovery Center stoppen, um dem hier beginnenden knapp 13 Kilometer langen Balu Pass Trail zu wandern. Dieser ist wohl auch während der Sommermonate immer mal wieder gesperrt, da er mitten im Bärengebiet liegt und bei erhöhter Aktivitäten von Meister Petz aus Sicherheitsgründen nicht begangen werden soll. Und somit muss man eigentlich jeden Tag aufs Neue schauen, ob der Weg gewandert werden kann. Wir allerdings verpassen sogar das Discovery Center, an dem der Trail startet. Schneeregen, leichter Nebel und eine riesige Baustelle nehmen uns die Sicht, Hinweisschilder fehlen aufgrund der Baustelle, aber bei diesen Witterungsbedingungen wären wir aber vermutlich eh nicht den ganzen Weg gewandert, trotzdem schade. Zum Ausgleich halten wir schließlich unweit von Golden am Northern Lights Wildlife Wolf Center, wo sehr motivierte und freundliche Mitarbeiterinnen den Gästen die Welt der Wölfe näher bringen.

Foto Philipp W. Foto Philipp W. Foto Philipp W.

Außerdem ist es hier möglich, auch geführte Wandertouren mit den Wölfen zu buchen. Am späten Nachmittag erreichen wir dann unsere Unterkunft in Golden, etwas außerhalb der Stadt gelegen. Wir haben die leise Hoffnung, dass die Stadt ähnlich lebendig ist wie Revelstoke und machen uns bald auf nach Downtown. Allerdings ist hier eher wenig los abgesehen von den üblichen Outdoorläden. Schließlich landen wir mit dem Besuch im Wolfs Den aber einen erneuten Zufallstreffer mit fantastischer Küche und lassen den Tag gemütlich ausklingen, Action genug verspricht schließlich der nächste Tag mit der Raftingtour auf dem Kicking Horse River. Treffpunkt hierfür ist die White Water Lodge, das Büro der Glacier Raft Company.

Nach dem registrieren geht’s zum anderen Ende des Geländes, wo die Busse stehen, mit denen wir später zum Fluss gebracht werden und die Kleiderausgabe und Umkleidekabine zu finden sind.

  

Bevor es los geht, treffen sich alle Gäste mit den Guides und Fahrern am Feuer, es gibt lockere Gespräche und wir entdecken ein Pärchen aus Hamburg, dass wir vor einigen Tagen in den Miette Hot Sptings im Jasper NP getroffen hatten.

Die Wiedersehensfreude währt allerdings nur kurz, dann steht das Umziehen auf dem Programm. Eingepackt in eine Neopren Latzhose, Neopren Füßlinge, eine Neopren Weste, eine Fleecejacke und als oberste Schicht eine wasserdichte Windjacke geht es in den Bus und auf die ca. 40 minütige Fahrt zum Einstieg in den Fluss. Auf der Fahrt gibt der heutige Chefguide Saxon ein paar Geschichten aus der Gegend zum Besten und erklärt uns, auf was wir uns einstellen müssen. Als es dann losgeht sitzen wir auch in Saxons Boot und gehen als erste an den Start. Das erste Teilstück der Tour ist recht unspektakulär und damit ein idealer Einstieg, um die verschiedenen Kommandos zu üben, die später noch wichtig werden sollen.

Foto Glacier Raft Company

Was allerdings schon auffällt: durch den starken Regen am Vortag und in der Nacht ist der Fluss gut gefüllt, die Guides sprechen von mehr als 30 cm Zuwachs zum Vortag. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass der Fluss schneller und wilder ist und auch die Wassertemperatur dürfte minimal ansteigen, denn eigentlich speist sich der Fluss nur aus dem Schmelzwasser der höhergelegenen Gletscher. Entsprechend liegt die Wassertemperatur trotz Regens bei vielleicht 5°C und auch die Lufttemperatur ist mit 10°C recht kühl. Bei den ersten kleineren Stromschnellen machen wir dann auch Bekanntschaft mit dem Flusswasser. Schreie hier, leichtes jammern da, es ist wirklich frisch.

Foto Glacier Raft Company

Aber man gewöhnt sich schnell daran und als wir zum ersten Mal am Ufer anlegen, sind unsere Klamotten schon klatschnass, halten aber dennoch erstaunlich warm. Abgesehen von unseren Gesichtern. Wie uns die Guides erklären, machen wir nun einen kleinen „Spaziergang“ zu einem kleinen Wasserfall. Eine kleine Canyoning Einlage für Anfänger sozusagen und eine echt geniale Erfahrung, durch den kleinen Bach hinauf zum Wasserfall zu kraxeln.

Anschließend geht es wieder in die Boote und in einen wilderen Abschnitt des Flusses, der Adrenalin- und Spaßlevel steigt bei allen, wir werden nun richtig nass. Viel zu schnell erreichen wir dann die nächste Anlegestelle, wo ein Teil der Glacier Raft Crew schon den Grill vorbereitet hat, um die vorbestellten Lunches zuzubereiten. Zu den Lunches, zur Auswahl stehen Burger, Steak, Hühnchen und ein Veggie-Gericht, gibt es ein Salatbuffet und diverse Snacks und trotz des Regens gelingt es den Jungs und Mädels, uns ein richtig gutes Essen zu zaubern. Da fällt es auch kaum ins Gewicht, das trotz des Rauchs des Feuers und des Regens nun die Moskitos ihre Chance wittern und uns auf die Pelle rücken. Und da in Nordamerika alles etwas größer ist, sind die Biester gefühlt so groß wie bei uns eine Fledermaus. Mindestens… Nach dem Essen werden von Chris, dem Glacier Raft Fotografen noch ein paar Fotos geschossen und dann stoßen weitere Gäste zu uns, die die halbtägige White Water Express Tour gebucht haben.

Foto Glacier Raft Company

Und dann geht es richtig los. Nach einem recht kurzen, ruhigen Abschnitt kommt ein sehr langer Abschnitt der Klasse IV. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt und geduscht, haben Spaß ohne Ende und müssen dann doch nochmal stoppen.

Foto Glacier Raft Company

Foto Glacier Raft Company Foto Glacier Raft Company

Die Guides wollen sich aufgrund der heutigen Wassermassen den nächsten Teil des Flusses von einer Anhöhe anschauen, bevor sie ihn mit uns befahren. Auch um zu sehen, ob er an diesem Tag überhaupt befahrbar ist. Glücklicherweise sind sie der Meinung, dass der Abschnitt zu schaffen ist und so geht es auf den letzten Abschnitt unserer Tour. Und der toppt das zuvor erlebte nochmal um Längen, vielleicht auch, weil ich mittlerweile ganz vorne im Boot sitze.

Saxon schreit uns von seiner Steuerposition die Paddelbefehle zu, ist aber dennoch kaum zu hören, zu laut tost der Kicking Horse River. Und dann, ganz plötzlich, sind die Stromschnellen zu Ende und der Fluss beruhigt sich wieder. Ein letztes High Five im Boot und dann landen wir endgültig an, helfen, die bereitstehenden Busse und Anhänger mit den Booten zu beladen und dann ist diese geile Tour leider auch schon wieder zu Ende.

Foto Glacier Raft Company

An der White Water Lodge bietet sich dann nach dem Umziehen nochmal die Möglichkeit, Fotos und Videos der Tour zu kaufen, ehe es zum Abschluss ein Abschiedsbier mit den Guides gibt und die Tour nochmal besprochen wird. Hier erfahren wir von den Guides auch, dass es am Abend im Wolfs Den Livemusik geben wird und somit steht dann auch der Plan für den letzten Abend in Golden fest. Und nach dem zweiten perfekten Dinner in der rustikalen Atmosphäre des Wolfs Den mit angenehmer Untermalung einer Unplugged-Band geht unsere Zeit hier schon wieder zu Ende und wir brechen auf in Richtung USA, ab in den Süden.

Weitere Informationen

  • Route Aufstieg: siehe Text
  • Route Abstieg: siehe Text
  • Dauer für Aufstieg: 1 Stunde
  • Dauer für Abstieg: 1 Stunde
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Klettersteig: nein
  • Einkehrmöglichkeit: Revelstoke: Village Idiot Golden: Wolfs Den
  • Schuhwerk: knöchelhohe Bergschuhe mit guter Profilsohle
  • Trittsicherheit: nicht erforderlich
  • Schwindelfrei: nicht erforderlich
  • Weiterempfehlen: ja - ich würde die Tour wieder machen
  • Hinweis:

    Die Benutzung des Tourenberichtes erfolgt auf eigenes Risiko. Es wird keine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art übernommen.

Bastian D.

Ich komme aus dem schönen Hunsrück und bin hauptsächlich auf den hier nur so aus dem Boden schießenden Wanderwegen unterwegs. Immer mit dabei ist mein Hund Kenny, der mich ohne Rücksicht auf das Wetter oder meine Tagesform nach draußen treibt.Außerdem bin ich zertifizierter Wanderführer und biete (nicht nur) für Gäste unserer Ferienwohnung Dickbaums geführte Wanderungen an. Ich hoffe meine Touren- und Testberichte sind hilfreich und würde mich freuen, Leser von wandersuechtig.de als unsere Gäste begrüßen zu dürfen.