COVID-19: Stille Trails im Himalaya

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Der Kontrast kann kaum größer sein. Vor einem Jahr war der Mount Everest weltweit in aller Munde. Es kam zu Stau an seinen Flanken, Bergsteiger verloren ihr Leben und die Sorgen um das Dach der Welt als "Touristenattraktion" nahmen zu. Seit Monaten ist es auf dem Berg im Himalaya etwa so ruhig wie 1953, als Edmund Hillary und Tenzing Norgay als erste den Gipfel erreichten. Es ist nicht nur in der Todeszone ruhig, sondern auch im Everest-Basislager. Und auch der Trek zum Everest Base Camp ist nicht mehr das, was er einmal war. Der Weg zum Everest Base Camp, der normalerweise eine lange Parade von teurer Outdoor-Ausrüstung und Wanderschuhen ist, wird heute nur noch von Einheimischen benutzt. Genau so, wie es früher einmal war.

Ende März sperrten die beiden Länder, die den Zugang zum Mount Everest regulieren - China und Nepal - den Berg wegen der Korona-Krise für kommerzielle Expeditionen ein. Das Virus könnte sich leicht auf die Lager, in denen die Bergsteiger eng beieinander wohnen, ausbreiten. Bereits Anfang März wurde der Zugang für Touristen aus Corona-Hotspots wie Spanien, Italien, China und einigen anderen asiatischen Ländern eingeschränkt. Und dann wurde Nepal plötzlich abgeriegelt. Niemand war mehr willkommen.

“Im Moment haben wir etwa 300 bestätigte Fälle von Corona. Aber da die Tests nicht überall von gleicher Qualität sind, könnten es noch mehr sein. Nichtsdestotrotz läuft es ziemlich gut,” sagt Chhatra Karki von Nepal Eco Adventure, einem Trekkingunternehmen, das sich zum Beispiel auf den Mount Everest Base Camp Trek und den Annapurna Circuit spezialisiert hat. “Von Kathmandu aus können wir jetzt bis nach Langtang sehen. Kein Smog, klarer Himmel. Aber natürlich genießt man das nur, wenn man Essen auf dem Tisch hat.”

“Dies ist nicht die erste Krise, die wir in den letzten Jahren hatten,” sagt Chhatra. “Die Erdbeben von 2015 haben uns völlig zu Fall gebracht. Aber wir haben es geschafft, wieder aufzustehen. Wir wissen, dass wir von unserer Regierung in Bezug auf finanzielle Hilfe nicht viel erwarten können. Aber unsere Guides und Träger sind nicht nur auf Trekking angewiesen. In den Bergen wissen die Menschen, wie sie sich selbst ernähren können. Jeder weiß, wie man Landwirtschaft betreibt, und die meisten Guides und Träger sind auch Bauern. Natürlich könnte es mehr Cashflow geben. Aber im Moment überleben wir.” Das gilt natürlich nicht für alle im Himalaya. Auch die Annapurna-Region, in der zum Beispiel der Poon Hill Trek sehr beliebt ist, ist auf viel Bergtourismus angewiesen. Die Trails sind still, und die Menschen, die von den Trails leben, warten auf dich. Wirst du bald zu den ersten gehören, wenn sich die Grenzen wieder öffnen?

Reiner

Ich bin seit meiner Kindheit viel in den Bergen unterwegs. Mit meinem Bergfreund Sebastian habe ich deshalb das Projekt wandersüchtig.de gestartet. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und würde mich freuen, wenn Ihr öfters bei uns vorbeischaut.