Salzburger Land - Berchtesgadener Alpen - Einsame Tage im Steinernen Meer (Schneeschuhtour)

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Salzburger Land - Berchtesgadener Alpen - Einsame Tage im Steinernen Meer (Schneeschuhtour) by Alexander B.

Allgemeine Informationen

Für unsere diesjährige Wintertour haben wir uns das beliebte Steinerne Meer in den Berchtesgadener Alpen bzw. Salzburger Land als Ziel gewählt. Wir wollten einen Teil der bekannten "Großen Winter-Reibn" mit Schneeschuhen begehen. Die Reibn führt üblicherweise vom Carl-v.-Stahl-Haus über das Hagengebirge zum Kärlingerhaus und vorbei am Ingolstädter Haus in die Hochwies, dann über die Wimbachscharte ins Wimbachgries und dann Richtung Wimbachbrücke/Ramsau. Übergänge zum Riemannhaus sind möglich.

Für unsere ursprüngliche Planung war uns wichtig, dass wir abseits des absurden, überdimensionierten Skitreibens und der kommerziellen Pistengaudi in den Winterskiortzentren unterwegs sind. Wir wollten dem "Winter-Massen-Tourismus" entgehen und bei unserer Tour im besten Falle allein das Hochplateau durchqueren. Seilbahnen, welche im Winter in Betrieb sind, gibt es in diesem Gebiet ausschließlich am Jenner.

Wir wählten als Starttag einen Sonntag im Januar 2017, um so den Wochenendtourismus zu reduzieren bzw. weitestgehend auszuschließen, insbesondere was unsere Nächtigungen in den kleinen  Winterräumen der Berghütten betraf. Zudem wählten wir unser Teilstück so, dass dieses unserer Meinung nach für klassische Skitourengeher mangels prächtiger Abfahrten, unattraktiv erscheint. Einen kommerziellen Skiabfahrtstourismus gibt es in diesem Gebiet nicht. Ein Hüttentrekking durch das Steinerne Meer sowie die Watzmann-Überquerung haben wir in den Sommermonaten schon mehrfach unternommen, nun waren wir auf das winterliche Szenario gespannt.

Tourdaten

Tourverlauf: Maria Alm / Rohrmoos - Kasereggkapelle - Freithofalm - Buchauer Scharte - Riemannhaus - Eichstätter Weg - Aulhöhe - Ingolstädter Haus - Dießbacheck - Dießbachstausee - Kallbrunnalm - Pürzlbach - Weißbach b. Lofer

Gesamtlänge: ca. 33 km

Höhenmeter Aufstieg: ca. 1800 Meter

Tag 1: Maria Alm - Riemannhaus

Nach einem stärkendem Frühstück in der Forsthofalm in Leogang/Hüttn verlegten wir zu unserem Startplatz, dem Wanderparkplatz "Rohrmoss" in Maria Alm. Wir starten gegen 11 Uhr gut gelaunt und bei bestem Wetter (899 Hm). Für unsere Tour waren wir, neben der persönlichen Bekleidungs- und Schutzausrüstung, mit GPS-Navigationsgeräten von Garmin, Lawinensuchgeräten von Ortovox, Lawinensonden, Schneeschaufeln, Seilen und Karabinern sowie einem Erste Hilfe - Set ausgestattet.

Gestärkt und voller Tatendrang starteten wir auf dem Weg 414 in Richtung Buchauer Scharte. Aufgrund der Schneelage und prognostizierten Lawinengefahr nutzten wir nicht den Ramseider Steig durch die Ramseider Scharte (Weg 401/410), um letztlich zu unserem ersten Etappenziel dem "Riemannhaus" zu gelangen.

Majestätisch und mächtig lagen die prachtvollen Gipfel des östlichen Steinernen Meeres vor uns, insbesondere die Schönfeldspitze und die Mandlköpfe bindeteten fortan unsere Blicke.

 Die ersten Meter waren mit nur wenig Anstieg ideal zum Warmlaufen. Die Buchauer Scharte hatten wir von Beginn an im Blick. Uns trennten lediglich knapp 1400 Höhenmeter.

 Nach ca. 30 Minuten kamen wir an der auf 1049 Meter Höhe gelegenen, beschaulichen Kasereggkapelle vorbei. Die Baumgrenze war aufgrund der steilen Felsformationen sehr niedrig liegend und ebenso bald erreicht.

Um 13:15 Uhr erreichten wir die Freithofalm (1557 Hm). Die Sonne brannte uns ins Gesicht. Der wolkenlose, blaue Himmel lud im Zusammenspiel mit der atemberaubenden Gipfelszenerie zum Verweilen ein.  Wir pausierten reichlich 30 Minuten und genossen den Moment in vollen Zügen. 

Nun hieß es noch das letzte Teilstück bis zur Buchauer Scharte zu bewältigen. Steil ging es bei drückender Hitze empor. Der Aufstieg war stark kräfteraubend, jedoch lawinentechnisch wie auch "allgemein technisch" ohne Schwierigkeiten begehbar.

Mühsam kämpften wir uns Meter für Meter in die Höhe und kamen der Scharte immer näher. Bis zur Buchauer Scharte ist die Strecke auch für Skitourengeher interessant. Die Meisten steigen in einer Tagestour bis zur Scharte auf, um im Anschluss ins Tal abzufahren. Auch wir begegneten 4 jungen Skitourengehern, welche uns bei ihrer Abfahrt entgegenkamen. Es sollten die einzigen Personen bleiben, denen wir auf unserer Tour begegnet sind.

 Erst um 16:30 Uhr erreichten wir erschöpft aber glücklich die Buchauer Scharte. Das anstrengenste Teilstück unserer 3-Tagestour war geschafft.


Wir genossen die Abendsonne, wohlwissend dass diese bald untergehen wird. Zügig setzten wir unseren Weg in Richtung Riemannhaus fort.

Die Sonne war bald verschwunden, sodass es nicht nur dunkler, sondern auch spürbar kälter wurde. Wegmarkierungen bzw. sonstige Hinweise auf einen Wegverlauf waren im jungfräulich verschneiten Gelände nicht auszumachen. Wir waren die einzigen Wanderer, welche hier seit langem unterwegs waren. Aufgrund fehlender Wegkennungen liefen wir querfeldein, um die Schönfeldspitze, in Richtung Riemannhaus. 

Letztlich wurde es zur Nachtwanderung im Steinernen Meer. Bei -20 Grad und völliger Dunkelheit navigierten wir uns ausschließlich mittels GPS-Gerät in Richtung Zielkoordinate "Riemannhaus". Im Zusammenspiel mit unseren Stirnlampen tasteten wir uns vorsichtig Meter für Meter durchs Gelände. Ohne eine entsprechende Ausrüstung hätte man hier leicht Schwierigkeiten bekommen können. Wir waren nach dem Mehr-Lagen "Zwiebelsystem" mit technischer Funktionskleidung bestens bekleidet sowie mit unserer Sicherheitsausrüstung zuverlässig ausgestattet. Neben mehreren Lagen an Handschuhen, einer Polartec-Neoshell Jacke, Hardshellhosen und warmen Winterstiefeln konnten wir uns auch auf das stets funktionierende Garmin-GPS-Gerät verlassen. Mit bloßem Auge war weder das Ziel noch Bergkonturen sichtbar.

Um 21:30 Uhr erreichten wir unser Etappenziel "Riemannhaus" (2177 Hm). Der Winterraum, welcher sich unter der Sonnenterasse der geschlossenen Hütte befand, war klein (8 Betten) und auf das absolut Wesentlichste beschränkt. Wir bereiteten uns noch eine Kraftbrühe zu und vesperten etwas. Der klare Blick auf das beleuchtete Maria Alm und Saalfelden entschädigte sehr für die Strapazen der zurückliegenden Stunden. Wir genossen die Aussicht, tranken, aßen und unterhielten uns bevor wir gegen 00:30 Uhr unserem Körper die lang ersehnte Ruhe gönnten und zu Bett gingen.

Tag 2 - Riemannhaus - Ingolstädter Haus

Das Riemannhaus (2177 Hm) ist eine DAV-Hütte der Kategorie I, welche unterhalb des Sommersteins (2308 Hm) bzw. vielmehr zwischen Sommerstein und Breithorn (2504 Hm) liegt. Sie liegt in der Ramseider Scharte und eröffnet atemberaubende Blicke auf Saalfelden und Maria Alm.  

   

Nach erholsamen Schlaf und lockeren Start in den Tag starteten wir gegen 11 Uhr zum Ingolstädter Haus. Wir gingen den Eichstätter Weg (Weg 401/E4) in Richtung Aulhöhe.

Das Wetter, die Schneebedingungen sowie die Kulisse waren einzigartig uns selbst mit Bildern nur schwer festzuhalten bzw. vermittelbar. Es waren perfekte Bedingungen, es war ein perfekter Tag.

Bei Sonnenschein genossen wir jeden Meter des einfachen Wegverlaufs. Das verschneite Plateau war unberührt, keine Spuren waren erkennbar. Ein Gehen mit den Schneeschuhen war unschwierig.

 In den Weiten des Hochplateaus waren unsere Spuren lange sichtbar.

Auf halbem Wege in Richtung Weißbachlscharte passierten wir auf 2314 Meter Höhe die sog. Aulhöhe, welche der höchste Punkt auf unserer Schneeschuhtour war. Man hatte einen grandiosen Blick über die gesamte Fläche des Hochplateaus des Steinernen Meeres.

Da dieser Tourenabschnitt zum Ingolstädter Haus kurz und ohne weitere Anstrengungen war, ließen wir uns ausgiebig Zeit und pausierten oft.

Die Begehung im Winter hat einen ganz besonderen Reiz. Vor allem die Einsamkeit ist ein wesentlicher Unterschied zum stark frequentierten Sommer.

Wir schlenderten geradezu gen Ingolstädter Haus. Der Weg war durch markierte Holzpfähle weitestgehend erkennbar.

Das Ingolstädter Haus hat man schon lange vor der Ankunft im Blick. Die letzten Meter ziehen sich dann aufgrund mehrerer Senken jedoch länger hin als man erwartet. Um 15:30 Uhr erreichten wir unser Etappenziel.

Das Ingolstädter Haus (2120 Hm) ist eine DAV-Hütte der Kategorie I der Sektion Ingolstadt. Sie liegt unterhalb des Großen Hundstod (2593 Hm).

Der Winterraum war rustikal und einfach, hielt jedoch alles für einen Aufenthalt bereit. Wir schürten den Ofen und machten es uns gemütlich.

Wir trockneten unsere Bekleidung, spielten Karten, tranken Tee und aßen Nudeln.

Es war ein ruhiger, chilliger Nachmittag und Abend im Winterraum. Der Ofen glühte und heizte uns gut ein. Hüttenschuhe haben wir uns aus Einlegesohlen und einfachem Strick selbst gebaut. Um 22 Uhr begannen wir unsere Nachtruhe.

   

3. Tag: Ingolstädter Haus - Weißbach b. Lofer

Über Nacht setzte der angekündigte Wetterumschwung ein, weshalb die Verhältnisse an unserem dritten Tag deutlich widriger waren. Es schneite dicht, stürmte stark und die Sicht war teilweise sehr schlecht. Wir überprüften unsere Sicherheitsausrüstung, insbesondere die Funktionalitat der LVS-Geräte sowie des Navigationsgeräts. Wegmarkierungen sowie der mögliche Wegverlauf waren nicht zu sehen. Gut eingepackt und mit der nötigen Vorsicht starteten wir unseren Abstieg ins Tal gegen 10 Uhr.


Blick vom Dießbacheck auf den Dießbachstausee (1415 Hm).

 

 Der Wind blies uns straff ins Gesicht, der Schnee wurde mit jedem Meter den wir an Höhe verloren nasser.

Im Bereich des Dießbachecks kamen wir zur kritischsten Stelle unseres Abstiegs, der Querung eines steilen Hangstückes. Eine Lawine war hier jedoch bereits vor unserem Passieren abgegangen, sodass sich für uns die Situation erheblich verbesserte. Die Gefahr einer erneuten Lawinenauslösung haben wir als gering eingestuft. Vorsichtig passierten wir dieses Teilstück, bei welchem sich talwärts eine Felskante anschloss, nach derer es weit in die Tiefe hinabging.

Nach Querung des Hanges ging es geradewegs in Richtung Stausee. Der Schnee wandelte sich zum Schneeregen, das Gehen war beschwerlich. Da der Dießbachstausee komplett zugefroren war, wählten wir den direkten Weg über das Eis, um an das gegenüberliegende Ufer zu gelangen. Das Szeanrio, welches sich uns hier bot, war mystisch. Der Stausee wurde nachdem er mit dickem Eis überzogen war massiv abgelassen, worauf sich beim Absetzten die Eismassen an harten Steinen, am Ufer und sonstigen Gegenständen brachen und imposante Gebilde kreierten. Sie wirkten wie Kunstwerke aus Eis.

Nach Passieren des Sees ging es weiter über die Kallbrunnalm in Richtung Purzelbach. Wir waren gut gelaunt und freuten uns auf einen warmen Tee in Weißbach.

Letztlich liefen wir noch bis Weißbach a. Lofer, wo wir gegen 15:45 Uhr im Cafe Auvogel einen warmen Tee tranken und uns stärkten. Per Taxi fuhren wir dann zurück zum Parkplatz "Rohrmoos" in Maria Alm, wo unser Auto stand. Es waren wieder einmal drei facettenreiche Tage, die uns eine Menge geboten haben. Die Nachtwanderung durch das Hochplateau des Steinernen Meeres am ersten Tag, der einsame Streifzug bei perfektem Wetter am zweiten Tag wie auch der Abstieg bei Sturm, Schneefall und Lawinenabgängen am dritten Tag. Tage, welche uns lange in Erinnerung bleiben werden. Schön war's.


Tourenplanung & Auswertung: koomot

Weitere Informationen

  • Route Aufstieg: Maria Alm / Rohrmoos - Kasereggkapelle - Freithofalm - Buchauer Scharte - Riemannhaus - Eichstätter Weg - Aulhöhe - Ingolstädter Haus - Dießbacheck - Dießbachstausee - Kallbrunnalm - Pürzlbach - Weißbach b. Lofer
  • Route Abstieg: Tourverlauf s. Aufstieg
  • Dauer für Aufstieg: 6,5 Stunden
  • Dauer für Abstieg: 5 Stunden
  • Ziel Höhe / Gipfel: Aulhöhle - 2314 Hm
  • Höhenmeter: ca. 1800
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Empfohlende Wandermonate: Schneeschuhtour - November bis März
  • Klettersteig: nein
  • Sehenswürdigkeiten: Hochplateau des Steinernen Meeres
  • Einkehrmöglichkeit: Keine
  • Schuhwerk: knöchelhohe Bergschuhe mit guter Profilsohle
  • Trittsicherheit: erforderlich
  • Schwindelfrei: erforderlich
  • Weiterempfehlen: ja - ich würde die Tour wieder machen
  • Hinweis:

    Die Benutzung des Tourenberichtes erfolgt auf eigenes Risiko. Es wird keine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art übernommen. Es wird darauf hingwiesen, dass das Wanderteam von wandersüchtig.de über viel Erfahrung bzgl. Begehungen in den Bergen verfügt. Zudem sind wir sicher im Handling mit der unbedingt erforderlichen Sicherheitsausrüstung (LVS-Geräte, Sonden, Schaufeln, GPS-Geräte, etc.).

Alexander B.

"Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen"

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