Spanien - Kanarische Inseln - La Gomera

Spanien - Kanarische Inseln - La Gomera by Bastian D.

Allgemeine Infos

La Gomera, Vulkaninsel im Atlantik und zweitkleinste der kanarischen Inseln diente nicht nur Kolumbus 1492 als letzte Station vor seiner berühmten Reise nach Indien, bei der er schließlich Amerika entdecken sollte, sondern erfreut sich in den letzten Jahren auch immer größerer Aufmerksamkeit bei Wanderern. Die Abwechslungsreiche Landschaft mit Höhen bis zu 1487 Metern auf dem Alto de Garajonay, tiefen Schluchten, verschiedene Vegetationszonen und Mikroklimata tragen dazu ebenso bei wie die Kompaktheit der nur knapp 370 km² großen Insel mit einer Nord-Süd Ausdehnung von lediglich 22 km und einer Ost-West Ausdehnung von gerade einmal 25 km. Und natürlich ein vorzügliches Wanderwegenetz mit allem, was das Herz begehrt. Streckenwanderungen mit guter Busanbindung und Rundwege, Großteils sehr gut beschildert, als Tagestouren, sowie mit dem GR 131 als Inselüberquerung vom Osten nach Norden von San Sebastian nach Vallehermoso und dem GR 132, der entlang der Küste die gesamte Insel umrundet auch zwei anspruchsvolle Fernwanderwege. Dazu ein angenehmes Klima ohne große Temperaturschwankungen und der Möglichkeit, sich im Ozean abzukühlen wenn es doch mal zu warm wird. Teilweise ist die Insel auch als „Hippie-Insel“ bekannt, da es dort viele deutsche Auswanderer gibt, die den entsprechenden alternativen Lebensstil pflegen. Für mich war La Gomera deshalb schon länger ein Sehnsuchtsort, im Mai 2017 war es dann endlich soweit, zusammen mit meinem Freund Marco wollte ich die Insel auf dem GR 132 umrunden. An- und Abreisetag abgezogen standen uns insgesamt 8 Tage für die ca. 120 km zur Verfügung, die wir ganz locker angehen wollten, Ziel war nicht zwingend die komplette Strecke zu schaffen, sondern eine schöne Zeit in einer tollen Umgebung zu haben und auch den lieben Gott mal einen guten Mann sein zu lassen, wenn uns eher nach einem Tag am Strand der Sinn stehen sollte. Doch wie vor 525 Jahren bei Kolumbus kam es auch bei uns anders als geplant…

1. Tag

Am frühen Montagmorgen geht es vom Flughafen Frankfurt los, der Flieger bringt uns in guten vier Stunden  zum Flughafen Teneriffa Süd. Von hier müssen wir nach Los Cristianos, von wo wir mit der Fred Olsen Fähre nach San Sebastian de la Gomera übersetzen werden. Angesichts des günstigen Fahrpreises von 20 € entscheiden wir uns dazu, mit dem Taxi statt mit dem Bus zu fahren. Denn nach der Zeit im Flieger möchten wir uns etwas mehr Beinfreiheit gönnen… Am Hafen von Los Cristianos angekommen verstauen wir unsere jeweils ca. acht Kilo schweren Rucksäcke in den bereitstehenden mobilen Gepäckfächern der Fred Olsen Linie und schauen uns in den bis zum Boarding verbleibenden Zeit den an den Hafen angrenzenden Strand und die zugehörigen Bars an.

Nach einem kleinen Snack geht’s dann schließlich auf die Fähre und auf die knapp einstündige Überfahrt ins ca. 60 km entfernte San Sebastian. Die Fährfahrt verläuft recht unspektakulär, Wale und Delfine, die sich hier öfter mal zeigen sollen, sind nicht zu sehen und so ist das spannendste, dass mir meine Mütze vom Kopf geweht wird und zum Glück auf dem Autodeck landet. Das hat man davon, wenn man bei steifer Brise auf dem Sonnendeck steht und die Aussicht auf die immer kleiner werdende Insel Teneriffa und den immer steiler aufragenden Teide genießen möchte.

Damit hatte ich bei einer extrem eng sitzenden Buff Mütze nun wirklich nicht gerechnet, aber ein netter Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes begleitet mich zum Autodeck und lässt mich die Cap wieder einsammeln. Bald legen wir dann auch schon in San Sebastian an, wo vom Wind kaum noch etwas zu spüren ist, dafür ist es deutlich wärmer als erwartet, als wir uns vom der Fähre begeben und vorbei an etlichen Kleinbussen mit aufgeregten Reiseleitern und vollbesetzten Mietwagenschaltern in Richtung unseres für die erste Nacht gebuchten Hotels Torre del Conde gehen. Das ist zum Glück ebenfalls schnell erreicht und nach dem Bezug unseres Zimmers geht’s an die Erkundung der Inselhauptstadt. Gleich neben dem Hotel liegt der Torre del Conde Park rund um den alten „Turm des Grafen“, einen Turm der alten Stadtbefestigung, erbaut 1447 und bis heute im Originalzustand.

Ebenfalls in der Nähe liegt der Busbahnhof, wo wir am nächsten Morgen unsere Inselumrundung starten wollen. Hier stehen auch erste Wegweiser und Tafeln, auf denen wir uns schon mal ansehen, was uns unterwegs erwarten wird.

 

In den engen Gassen der Stadt ist es überraschend ruhig, es sind kaum Leute unterwegs, die Bars und Restaurants sind leer, aber wir werden überall freundlich begrüßt, bekommen  eine leckere Pizza serviert und in der nächsten Bar zu unseren Bieren noch eine Tapasplatte auf den Tisch gestellt.

Den Absacker gönnen wir uns schließlich in der Hotelbar, wo sich ein älterer Herr zu uns gesellt und erfreut feststellt, dass wir aus dem schönen Hunsrück kommen. Dort war er früher oft als Wanderer unterwegs und gehörte dem alten Bund des Nerother Wandervogels an, der seinen Hauptsitz auf der Burg Waldeck im Baybachtal hat. Es entwickeln sich interessante Gespräche und er ist sehr interessiert an unserem Vorhaben… Aber dann geht es auch schon ins Bett, damit wir ohne Kater aus den Federn kommen.

2. Tag


Um 7:30 Uhr klingelt der Wecker, kurzes Frischmachen und Frühstück im Hotel, auch ein wenig Proviant für den Weg wird eingepackt, dann noch kurz in den gegenüberliegenden Supermarkt, der erst um 8:30 Uhr öffnet, um die Wasservorräte aufzufüllen und dann geht es auch schon los. Fünf Liter Wasser hat nun jeder zusätzlich zu tragen, unterwegs gibt es an der Siedlung El Cabrito auch noch die Möglichkeit, die Vorräte wieder aufzufüllen. Vorbei am Busbahnhof geht es durch eine weniger schöne Ecke der Stadt, zwischen einer Autowerkstatt und dem Elektrizitätswerk führt der GR 132 dann über den ersten Anstieg aus der Stadt hinaus. Mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken kommen wir zwar schon gut ins Schnaufen und Schwitzen, aber die Ausblicke über Stadt und Küste entschädigen uns dafür. Allerdings liegen wir bei dem herrschenden strahlenden Sonnenschein schon wieder deutlich über den sonst üblichen Temperaturen im Mai.

 

Von hinten nähert sich uns ein wanderndes Ehepaar, das schließlich kurz vor dem Ende der Steigung an uns vorbeizieht, während wir hier oben kurz verschnaufen und den aus den Wolken aufragenden Teide bewundern.

 

Auf diesem gut begehbaren Weg geht es nun für uns weiter und wir kommen gut voran. Das Gelände ist fast eben, dennoch macht uns die Hitze schon jetzt zu schaffen. Aber die Aussicht auf den Atlantik und das leichte Auf und Ab des Wegs entlang der kargen Steilküste lassen uns die Mühen kurz vergessen. Von weitem sehen wir auch die sich von Teneriffa her nähernde Fred Olsen Fähre, ehe wir in das nächste kleinere Kerbtal abtauchen.

    

Am Ende des folgenden kleinen Anstiegs treffen wir an einem Aussichtspunkt das Ehepaar wieder, dass uns zu Beginn der Tour überholt hat. Wir kommen ins Gespräch und erfahren, dass Sylvia und Martin bereits in ihrer zweiten Urlaubswoche auf La Gomera sind. Sylvia spricht uns außerdem auf unseren Hunsrücker Dialekt an, denn sie stammt auch aus unserer Region und ist an der Mosel aufgewachsen, wohnt aber nun mit ihrem Mann Martin im Sauerland.

Ein kurzes, ebenes Stück liegt nun noch vor uns, bis der erste steile Abstieg des Tages kommt. Erschwerend kommt hier nun hinzu, dass der Weg von losem Geröll übersäht ist und man jeden Schritt sehr genau setzen muss.

 

Am Ende des Abstiegs wartet eine malerische Bucht mit einem halb verfallenen, aber offensichtlich hin und wieder noch genutzten Fischerhäuschen auf uns, um das herum sich einige der berühmten Gomera Geckos tummeln.

  unser erste Gomera Gecko

Von hier aus führt uns der GR 132 über ein Geröllfeld von der Küste weg ins Barranco del Cabrito. Der Weg verläuft hier leicht ansteigend, aber es ist bereits klar, dass wir über den links von uns aufragenden Kamm hinüber müssen.

hinein in den Glutofen

Und dieser Anstieg hat es dann tatsächlich in sich. Die Sonne brennt mittlerweile erbarmungslos auf uns hinab, das aufgeheizte Vulkangestein sorgt von unten für zusätzliche Wärme und in der steilen Wand, von hitzereflektierenden Felsen umgeben, ergibt sich ein regelrechter Backofeneffekt. Da lindern auch die schönsten Aussichten kaum noch die Leiden.

In der Steilwand Der Blick zurück 

Und die sind mittlerweile tatsächlich so groß, dass wir uns auf dem Kamm angekommen Gedanken um den weiteren Schlachtplan machen. Relativ schnell steht für uns fest, dass wir ab dem nun nur noch einen Kilometer entfernten El Cabrito heute nicht mehr weitergehen wollen. Da wir hier erst ein Drittel der Etappe hinter uns, die anspruchsvollsten Streckenabschnitte sowie die heißeste Tageszeit aber noch vor uns liegen haben und sich auf dem weiteren Verlauf der Etappe bis zum Ort Playa de Santiago keine weitere Möglichkeit gibt die Vorräte aufzufüllen, folgen wir der Stimme der Vernunft. Allerdings liegt noch der Abstieg zu der wie eine Oase in der Vulkanlandschaft liegenden Ferienanlage vor uns, die man tatsächlich nur zu Fuß über diesen Weg oder aber mit dem Boot über den Atlantik erreichen kann. Umgeben ist sie von Gemüsegärten und Obstplantagen, während wir uns auf dem Abstieg den Weg durch Aloe Vera Pflanzen bahnen.

 Die malerische Bucht von El Cabrito

In El Cabrito angekommen scheint es, als gäbe es tatsächlich kein freies Zimmer mehr für uns, man bittet uns allerdings um etwas Geduld, erklärt aber auch, dass in wenigen Minuten ein Boot zurück nach San Sebastian abfahren wird. Erneut stecken wir die Köpfe zusammen und beschließen dann, auf das Boot zu setzen. Hier treffen wir schließlich auch Sylvia und Martin wieder, aufgrund des leichten Tagesgepäcks nicht ganz so geschafft wie wir, aber ebenfalls glücklich, ihre Tageswanderung hier beendet zu haben. Als uns die beiden von ihrem Mietwagen erzählen fragen wir sie, ob sie uns nicht nach Playa de Santiago mitnehmen können und bieten im Gegenzug eine Einladung zum Abendessen. Und schon sind wir im Geschäft. Nach einer kurzen Bootsfahrt über den unruhigen Atlantik legen wir schließlich wie schon am Vortag in San Sebastian an, der Fiat Panda von Sylvia und Martin steht gleich in Hafennähe und so besteht die größte Herausforderung tatsächlich darin, vier Erwachsene, zwei Trekkingrucksäcke und Tagesgepäck in dem Kleinwagen zu verstauen. Nach getaner Arbeit geht es dann nach Playa de Santiago. Die Entfernung beträgt zwar nur 30 Kilometer, da es aber auf der gesamten Insel gefühlt keine 200 Meter ebene Straße gibt, sondern entweder steile Anstiege oder eben Abfahrten dauert die Fahrt doch gute 50 Minuten. Während Marco und ich in der Pension La Gaviota bei Besitzer Elias einchecken und uns frisch machen, verbringen unsere neuen Wanderfreunde die Zeit am Strand, ehe wir uns zum Abendessen in der Bar La Cuevita mit Blick auf den Ozean niederlassen. Nach dem anstrengenden Tag schmeckt das Essen besonders lecker, Wein und Bier ebenso und so haben wir einen schönen Abend, bei dem das Wandern auf der Insel natürlich Hauptthema ist. Sylvia und Martin erzählen von ihren Touren und schwärmen von ihrer Unterkunft im Valle del Rey, dem touristischen Zentrum La Gomeras, wir hören neugierig zu und beschließen nachdem sich unsere Wege getrennt haben, einen Plan B zu schmieden. Bei ein paar Bierchen in der Bar Tasca Tomas reift schließlich der Entschluss, am nächsten Morgen je nach Wetterlage die nächste Etappe auf dem GR 132 in Angriff zu nehmen oder aber, bei ähnlicher Hitze, ebenfalls einen Wagen zu mieten und uns im Valle Gran Rey eine feste Bleibe als Ausgangspunkt für Tagestouren zu suchen. Bevor wir für heute Feierabend machen, kommen wir noch mit Che Che ins Gespräch, der hier bei seinem Freund und Barbesitzer Tomas aushilft und sehr gut Deutsch spricht. Er erzählt, dass er früher als Taucher auf einer Bohrinsel in der Nordsee gearbeitet hat und stellt uns auch noch Chef Tomas vor. Aber irgendwann geht der lange Tag doch noch zu Ende und wir fallen geschafft in die Betten.

3. Tag

Schon früh am Morgen brennt die Sonne wieder mit voller Kraft auf die Insel, was uns die Entscheidung über den weiteren Verlauf unserer Tour einfach macht. Nach den Erfahrungen vom Vortag beschließen wir, uns in Playa de Santiago einen Mietwagen zu besorgen und unser Hauptquartier für den Rest des Urlaubs in Valle Gran Rey aufzuschlagen. Der Empfehlung von Sylvia und Martin folgend rufen wir erst mal in der Pension Candelaria an. Carol, die deutsche Besitzerin, hat noch ein Zimmer für zwei frei  und so buchen wir direkt am Telefon. Etwas schwieriger gestaltet sich dann das Mieten eines Fiat Panda. Zwar ist die Mietstation nur wenige Meter von unserer Pension entfernt, die nette Dame spricht allerdings so gut wie kein einziges Wort Englisch, während wir außer den üblichen Bestellfloskeln in den Bars kein Wort spanisch sprechen. So entwickelt sich eine wirklich interessante Situation, in der die Hauptarbeit vom Google Translator erledigt wird, den wir abwechselnd nutzen und uns so verständigen. Danach geht es noch in die benachbarte Touristinfo, wo wir uns mit Kartenmaterial eindecken und im Anschluss in die Bar Tasca Tomas, wo man uns noch vom Vortag kennt und freudig begrüßt. Wir gönnen uns ein paar Sandwiches zum Frühstück und machen uns dann mit unserem Flitzer auf den Weg. Das Fahren auf La Gomera ist ähnlich interessant wie das Wandern, Serpentinenstraßen überall, mit denen der Fiat bergauf sehr zu kämpfen hat. Da passt es gut, dass die vielen Aussichtspunkte entlang der Straßen mit großen Schildern angekündigt werden und immer ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen. Und so halten wir auch an nahezu jedem „Mirador“ an und genießen die Ausblicke.

 

Und dann sind wir bald auch oben angekommen… im wahrsten Sinne des Wortes. Wir erreichen den Garajonay Nationalpark und schließlich den „Pajarito“, wörtlich übersetzte heißt das Vöglechen, allerdings handelt es sich um einen Knotenpunkt sowohl für den Straßenverkehr als auch für Wanderer. Viele der Rundwanderungen im Nationalpark starten von hier aus.

Knotenpunkt Pajarito

Nur wenige hundert Meter weiter bietet sich am nächsten Mirador eine unglaubliche Aussicht über den Nationalpark mit seinem Regenwald bis zum von Teneriffa aus alles überragenden Teide.

Blick über den Nationalpark Garajonay auf den Teide auf Teneriffa

Die Abfahrt zum Nationalparkzentrum ist auf der kurvigen Straße im Nationalpark leicht zu übersehen, wirklich abenteuerlich und wird es im weiteren Verlauf auch. War die Hauptverkehrsstraße noch gut ausgebaut, wirkt die Straße zum Zentrum selbst in unserem Kleinwagen ausgesprochen schmal zwischen Fels und Abgrund. Da wir uns in der Nebensaison befinden, ist am Nationalparkzentrum glücklicherweise nicht besonders viel los und so haben wir die Möglichkeit, uns in Ruhe umzusehen.


Neben den Informationen zur Geologie und der Pflanzenwelt La Gomeras erhält man auch Informationen zum Leben auf der Insel, dass aufgrund der vielen tiefen Taleinschnitte sehr mühsam gewesen sein muss. Dadurch entstand aber auch der „Silbo Gomero“, die berühmte Pfeifsprache, die noch heute in den Schulen auf La Gomera gelehrt wird. Eine erhöhte Aussichtsplattform darf natürlich auch nicht fehlen.

   

Als wir uns von den tollen Fernsichten losgerissen haben, geht es aber wieder zurück zum Auto und auf den Weg zu unserem neuen Basislager. Ein paar Fotostopps liegen allerdings noch vor uns, gerade die Abfahrt ins Valle Gran Rey bietet einige spektakuläre Motive.

Blick in das Valle Gran Rey 

Unsere Pension finden wir ohne größere Probleme, die Rezeption ist nachmittags wie angekündigt nicht besetzt, dafür werden wir auf einer Tafel im Eingangsbereich freundlich begrüßt – sehr nett. Unser Zweibettzimmer ist sauber und gepflegt, hat ein Badezimmer und eine eingebaute Küchenzeile mit Kochfeld und Kühlschrank. Bald erscheint dann auch Chefin Carol an der Rezeption und erklärt uns alles Wissenswerte über La Gomera, Valle Gran Rey, den Ortsteil Vueltas und die Pension. Diese ist seit Juli 2011 als eines von 15 Unternehmen der Charta für nachhaltigen Tourismus des Nationalpakrs Garajonay akkreditiert und arbeitet selbstverständlich mit den anderen Unternehmen zusammen. Und so bucht uns Carol auch gleich Plätze für eine Whale Watching Tour am Sonntag, im Telefonat mit der Chefin von Excursiones Tina stellt sich heraus, dass die „Tina“ zur Zeit gewartet wird, wir aber mit dem Partnerunternehmen Speedy Adventure in See stechen können. Beide gehören ebenfalls den als nachhaltig zertifizierten Tourismusbetrieben an. Außerdem erklärt uns Carol natürlich auch die aktuelle Wetterlage. Diese wird Calima genannt und bringt mit Ostwind die Hitze aus der Sahara auf die Kanaren. Gut für Sonnenanbeter, eher schlecht für Trekkingtouren, wie wir leidvoll erfahren mussten. Ausklingen lassen wir den Tag dann nach einem Rundgang durch Vueltas in einer der zahlreichen Bars. Hier ist deutlich mehr los als in San Sebastian oder Playa de Santiago, vor allem in der Cacatua Bar tummeln sich nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische. Und wir.

4. Tag

>

Frische Brötchen zum Frühstück holen wir im nahegelegenen Supermarkt, anschließend fahren wir bei strahlendem Sonnenschein und schon wieder steigenden Temperaturen von der Küste zum Wanderparkplatz am Pajarito, von wo aus wir heute zwei kurze Touren mit tollen Aussichten wandern wollen. Zunächst den ca. 4,5 Kilometer langen Rundweg Ruta 17 über und um den Alto de Garajonay, den höchsten Punkt der Insel, anschließend steht die 7,2 Kilometer lange  Ruta 16 an, von der aus man eine tolle Aussicht auf den Roque de Agando hat. Bei der Fahrt über die steilen Inselstraßen in Richtung des Nationalparks sehen wir jedoch bald, dass die Höhenzüge in dichten Nebel gehüllt sind. Die ersten Ausläufer erreichen wir bald, mit zunehmender Höhe wird der Nebel immer dichter und von den tollen Aussichten vom Vortag ist noch nicht einmal etwas zu erahnen. Am Pajarito jedoch scheint kurzzeitig die Sonne, als wir zur ersten Tour aufbrechen. Allein auf dem ersten Kilometer bis zum Alto de Garajonay wechselt es unzählige Male zwischen Sonnenschein und Nebel. Auf dem Gipfel selbst ist dieser jedoch so dicht, dass man nicht einmal die in unmittelbarer Nähe gelegene Wetterstation sehen kann, die vom Pajarito aus noch klar zu erkennen war.

Blick auf den höchsten Berg der Insel: Alto de Garajonay

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts...

Nachdem wir nun nahezu alle Höhenmeter der Tour auf einem schmalen Pfad durch die Büsche hinter uns haben, geht es auf breiten Wegen im Bogen um den Gipfel wieder bergab zum Parkplatz. Bei guter Sicht sicherlich eine tolle Strecke, wenigstens gibt uns der Nebel aber hin und wieder kurz die Gelegenheit, die Aussicht zu bewundern.

 

Zurück am Wanderparkplatz folgen wir dann der Ruta 16 in südliche Richtung. Zu Beginn geht es auf dieser Wanderung stetig bergab, was uns auch aus dem Nebel heraus bringt und den Blick auf die tolle Gegend frei gibt.

 

Nach etwas mehr als einem Kilometer gabelt sich der Weg, wir folgen dem westlichen Abzweig und genießen die Sonnenstrahlen, die uns nach dem Nebel auf dem Garajonay wieder aufwärmen. Bald erreichen wir ein Plateau, dass uns dann wirklich spektakuläre Aussichten bietet: der von Wolken umhüllte, 1251 Meter hohe Roque de Agando, ein ehemaliger Vulkanschlot und höchster Fels der Gruppe Los Roques streckt immer wieder seinen Kopf aus den vorbeiziehenden Nebelfeldern und auch der Gipfel des Teides ist hin und wieder zu entdecken.

Am Roque de Agando brechen sich die Wolken   

Nun geht’s weiter in südliche Richtung wo tatsächlich doch noch unbegrenzte Fernsichten auf den Atlantik auf uns warten.

 

Hier sind wir auch am tiefsten Punkt der Wanderung angelangt, von nun an geht es wieder bergauf und bald schon stehen wir wieder im Nebel, gelangen zurück zur Weggabelung und folgen dem vom Hinweg bekannten Weg zurück zum Parkplatz.

 

Es folgt die ca. 45 minütige Fahrt zurück nach Vueltas und dort nach kurzer Verschnaufpause in der Pension ein kleiner Abstecher zum Hafen, wo es uns in der Hafenbar Cofradia de Pescadores gut gefällt. Hier treffen sich neben Touristen auch Segler und einheimische Fischer, letztere zum Großteil mit ihren Familien. Und die Reste aus den Brotdosen wandert hier auch gleich wieder zurück ins Meer. Was neben zahlreichen kleinen Fischen auch mal einen Rochen anlocken kann.

Nach ein paar Kaltgetränken zur Regulierung des körpereigenen Wasserhaushalts geht es dann aber doch wieder in die verschiedenen Bars in den umliegenden engen Gassen.

5. Tag


Für heute war ursprünglich eine anspruchsvolle Tour geplant, allerdings hat der Vortag ein paar Spuren hinterlassen. Und so entscheiden wir uns für die Ruta 14 im Nationalpark. Den kurvenreichen Weg in die Berge kennen wir mittlerweile, langweilig wird er dennoch nie, da die Wetterverhältnisse in der Höhe jeden Tag andere sind, gibt es auch immer Neues zu entdecken. Wie am Vortag gelangen wir bald in den Nebel, dieser liegt aber heute wie ein Ring zwischen 800 und 1300 Metern Höhe, in den höheren Lagen herrscht wieder strahlender Sonnenschein. Wir parken nicht weit entfernt vom Pajarito an der GM2 und erklimmen erst einmal wieder den Alto de Garajonay, heute tatsächlich mit beeindruckenden Fernsichten bis zum Teide auf Teneriffa im Osten, El Hierro im Südwesten und La Palma im Nordwesten. Ebenfalls beeindruckend ist der Tafelberg La Fortaleza, der wie eine große Bühne aus der Landschaft heraus ragt.

La Fortaleza

Wir statten der Wetterstation einen kleinen Besuch ab, ehe wir uns wieder auf die Ruta 14 begeben. Hier verpassen wir allerdings den ersten Abzweig aufgrund eines missverständlichen Wegweisers, die Wanderwege sind ansonsten aber sehr gut beschildert. Da die Ruta 14 wie eine 8 angelegt ist, laufen wir einfach bis zur nächsten Abzweigung weiter und folgen dieser in die Wälder und Richtung Chipude/El Cercado und Laguna Grande.

Welcome to the jungle!

Bald erreichen wir dann die Laguna Grande, einen ehemaligen Kratersee. Diese liegt unmittelbar an der Straße GM2, bietet einen riesigen Spiel- und Picknickplatz, ein kleines Besucherzentrum und ein Lokal, dass heute (Freitag) jedoch seinen Ruhetag hat. Wir machen eine kurze Rast und suchen dann den Wiedereinstieg in unsere Wanderung, was sich hier ein wenig schwierig gestaltet. Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen beschreibt sehr gut, wie wir uns hier fühlen. Es zweigen so viele verschiedene Wege ab, dass es einige Zeit und Nerven kostet die Ruta 14 wieder zu finden. Bei der Suche landen wir auch auf den beiden kleinen Schleifen Laguna Grande I und II, finden aber dann doch noch unseren eigentlichen Weg.

Infozentrum an der Laguna Grande Spiel- und Picknickplatz  

Der weitere Verlauf wird dann doch etwas anspruchsvoller, wir müssen wieder in Richtung des Garajonays aufsteigen und mittlerweile hat es sich doch ordentlich aufgeheizt. Teilweise sind die Wege etwas zugewuchert, und so sind wir doch ausgepowert, als wir nach all unseren „Distanzoptimierungen“ kurz unterhalb des Alto de Garajonay den Steinweg erreichen, der uns hinab zum Parkplatz führt.

 Blick auf den Alto de Garajonay

Zurück in der Pension treffen wir unsere Gastwirtin Carol, die uns dann empfiehlt die Laguna Grande nochmal zum Essen aufzusuchen und in höchsten Tönen vom dortigen Lokal, dass wir eher für eine klassische Touristenfalle gehalten haben. Dieses sei auf der gesamten Insel für üppige Portionen und fabelhafte Fleischgerichte bekannt und immer einen Besuch wert. Also setzen wir das für einen der nächsten Tage auf unsere To-Do Liste und begeben uns wieder ins Abendleben von Vueltas.

6. Tag

Heute wird gefaulenzt! Wir wollen zum Skywalk, dem Mirador de Abrante in der Nähe des Nationalparkzentrums und danach eine kleine Erkundungsfahrt in den Norden der Insel machen. Der Skywalk selbst entpuppt sich bei unserer Ankunft als in ein Restaurant integriert. Da hier gerade die kompletten Besatzungen von zwei Reisebussen reingestürmt sind, verzichten wir auf den direkten Besuch und genießen die zugegeben tolle Aussicht von einer anderen Aussichtsplattform. Tief unter uns am Atlantik liegt der kleine Ort Agulo, eingebettet  in einen Kessel zwischen zwei mächtigen Felswänden.

Der Mirador de Abrante - Skywalk über der BUcht von AGulovAgulo 

Anschließend fahren wir die kleine, enge Straße zurück zum Nationalparkzentrum und von dort steil bergab zur Ostküste. Dort angekommen müssen wir uns entscheiden, rechts nach Agulo, links nach Vallehermoso. Da wir Agulo ja schon von oben gesehen haben, fahren wir in nördliche Richtung nach Vallehermoso, das ohne direkte Verbindung zum Atlantik in einem Talkessel liegt.

Aussichtspunkt vor Vallehermoso Marktplatz Vallehermoso Schöner Wohnen...

Und es fällt die Entscheidung, Carols Tipp nachzukommen und nochmal zur Laguna Grande zu fahren, um das Lokal dort zu testen. Der Fiat Panda quält sich also wieder hinauf in die Berge, unsere Qual steht jedoch noch bevor… Der Empfehlung folgend bestellen Marco und ich die Grillplatte für zwei. Diese würde jedoch auch mindestens drei Personen satt machen, wir bekommen jedenfalls trotz aller Bemühungen die Platte nicht geputzt. Aber das Essen ist nicht nur reichlich, sondern wirklich sehr gut und dazu, wie eigentlich überall auf der Insel, im Vergleich zu Deutschland ausgesprochen günstig. Vollgestopft fahren wir wieder zurück in die Pension, erholen uns dort etwas von den Strapazen des Tages und machen uns zum Abend hin wieder auf, die kanarische Brauerei Dorada (auf Teneriffa ansässig) zu unterstützen.

7. Tag

Heute wird erst einmal ausgeschlafen und ordentlich gefrühstückt, schließlich steht unsere Whalewatching Tour mit Speedy Adventures an… denken wir jedenfalls. Als wir um 11 Uhr am Abfahrtsort im Hafen ankommen stellt sich heraus, dass unsere Buchung nicht weitergegeben wurde. Da das Boot auch voll ist, schauen wir erst einmal in die Röhre, bekommen aber das Angebot, zwei Tage später, also Dienstag, mit auf die Tour zu kommen. Kommt uns auch nicht ganz ungelegen, eine gemütliche Bootsfahrt zum Abschluss unserer Reise, bevor es Mittwochs wieder nach Hause geht. Für heute jedoch wirft es unsere Planungen etwas über den Haufen. Wir beschließen, zunächst einmal den kleinen Strand in Vueltas zu besuchen und stürzen uns zur Abkühlung erst einmal ins Meer. Anschließend laufen wir zu Fuß entlang des Atlantik nach Playa de la Calera, wo wir bei Harald in der Gekko Bar den letzten Spieltag der 2. Bundesliga schauen, um zu wissen ob unser nichtsnutziger Lieblingsverein doch nochmal den Kopf aus der Schlinge zieht.

Die Hauptstrasse von Borbalan Kleine Badebucht

Playa de la Calera Blick ins Valle Gran Rey

Zum Glück gewinnt Kaiserslautern gegen Nürnberg und das Drama blieb aus, passend zum Spiel treffen wir aber auch noch Horst aus Nürnberg, der neben der Gekko Bar zusammen mit seiner Frau Anita einen Wanderladen betreibt und geführte Touren anbietet.

Wandern auf La Gomera - der Laden von Anita und Horst

Sehr netter Mensch, der die Insel wie seine Westentasche kennt, beim nächsten Besuch werden wir sicher eine Tour zusammen unternehmen. Ansonsten steht heute nichts mehr auf dem Programm und wir erholen uns bei ein paar kühlen Bieren von den Strapazen des Tages…

8. Tag

So früh haben wir es seit dem ersten Morgen auf der Insel nicht mehr aus den Betten geschafft, wir wollen nach Chipude und von dort La Fortaleza besteigen. Es sind zwar nur gute 20 Kilometer bis nach Chipude, aber aufgrund der steilen Serpentinenstraßen brauchen wir doch knapp 45 Minuten, bis wir das Auto gegenüber des Dorfplatzes und des Hotels Sonia abstellen. Der kleine Ort war noch vor gar nicht allzu langer Zeit der einwöhnerstärkste Ort der Insel, die Fortaleza galt früher bei den Gomeros als heiliger Ort, später bei der Ankunft diente er auch als Rückzugsgebiet der Einheimischen vor den Belagerern. Das wollen wir uns ansehen und starten unsere kurze, aber anstrengende Tour auf den 1241 Meter hohen Vulkanschlot mit seiner 500 Meter hohen Steilwand. Entlang der Straße geht es durch den kleinen Ort, hier und da gibt es einen kleinen Pfad, so dass man kurz die Straße verlassen kann und dann beginnt auch schon der Anstieg, im unteren Teil noch recht moderat.

 La Fortaleza

Die Aussicht wird mit jedem Schritt spektakulärer, vor uns liegen nun im steileren Teil erste Stufen, in südwestlicher Richtung reicht der Blick nun über die Felsschluchten bis zum Atlantik, in östlicher Richtung zeigt sich der nebelverhüllte Regenwald des Nationalparks auf den Höhenzügen.

 

Auf Stufen geht es dann in die Felswand, hier kommt auch kein Lüftchen an und wir sind froh, früh aufgebrochen zu sein, denn die Temperaturen sind noch angenehm. Aber der ein oder andere Stopp ist trotzdem ein Muss, alleine um sich diese Aussichten nicht entgehen zu lassen. Und sich auch wieder zur Konzentration aufzurufen, denn Trittsicherheit ist hier nötig, gleich neben den Stufen liegt der Abgrund.

Steil geht es nach oben  Fast am Ziel

Auf dem Plateau angekommen sind wir überrascht, wie weitläufig dieses ist. Und man kann erahnen, weshalb dieser Berg als heilige Stätte betrachtet wurde. Hinter uns der nebelverhangene Regenwald, vor uns der Atlantik, dazwischen tiefe Schluchten in die eine, kleine Siedlungen in der anderen Richtung und ein stark pfeifender Wind beeindrucken auch uns. Steinkreise und kaum noch zu erkennende Altäre zeugen von der einstigen Bedeutung des Berges, teilweise muss man vorsichtig sein, um diese erkennen zu können und nicht unabsichtlich hinein zu treten. Und da man es mit den übergezogenen Windjacken sehr gut aushalten kann, genießen wir es einfach noch ein wenig hier oben.

 Am Gipfelkreuz Nebel über dem Nationalpark

Steinkreise auf dem Fortaleza

Beim Abstieg bietet sich dann ein etwas anderes Bild, auch wenn die Route die gleiche ist. Zum einen lichtet sich der Nebel über dem Nationalpark, der nun durchgehend in unserem Blickfled liegt nun ein wenig, zum anderen sind wir nicht mehr völlig alleine unterwegs. Ein einzelner Wanderer ist kurz vor uns ebenfalls wieder auf dem Weg nach Chipude, weitere Wanderer kommen uns entgegen und am Fuße der Stufen ist ein Gomero mit seinen Schäferhunden in der Steilwand am Trainieren.

Schwindelfreiheit erforderlich

Training mit den HUnden 

Für den Weg zurück nach Chipude wählen wir nun den Weg entlang der Straße durch die kleine Siedlung Pavon und sind schnell wieder am Dorfplatz angelangt. Hier kehren wir zur Belohnung für unsere Mühen in der Pension Sonia ein und gönnen uns ein riesiges, sehr leckeres Sandwich zum kleinen Preis und lassen die letzten vier Kilometer, beziehungsweise 3 Stunden, Revue passieren. Das war heute eindeutig die schönste und beeindruckendste Tour in diesem Urlaub. Dabei fällt dann auch der Entschluss, noch etwas spazieren zu fahren, wir wollen nochmal nach Playa de Santiago, wo wir wieder in der Bar Tasca Tomas einkehren. Che Che und Tomas freuen sich, uns wieder zu sehen und wir verbringen hier einen schönen Nachmittag mit netten Gesprächen, ehe wir wieder nach Vueltas zurück fahren und den Tag gemütlich ausklingen lassen.

9. Tag

Neuer Tag, neues Glück. Wieder geht’s kurz vor 11 Uhr an den Hafen von Vueltas und heute klappt es dann auch, Whale Watching mit Sppedy Adventures.

Speedy Adventures Der Kapitän in Aktion 

Das kleine, gelbe Motorboot ist zwölf Meter lang, vier Meter breit und biete Platz für 12 Personen und Kapitän José Miguel. Die Motoren des Bootes sind erstaunlich leise, dennoch kommen wir zügig voran und die Distanz zur Küste La Gomeras wird größer und größer. Was zusätzlich ein tolles Panorama bildet, vor allem die am Vortag bestiegene Fortaleza hebt sich deutlich von der Umgebung ab.

Blick auf La Fortaleza

Und dann geht es auf einmal ganz schnell und das Boot ist plötzlich umzingelt von einer Delfin Schule auf Nahrungssuche. Die Motoren werden heruntergefahren, das Boot schaukelt in den Wellen (für manche durchaus etwas zu heftig) und die Kameras klicken. Das Ganze wiederholt sich später noch bei einer Gruppe Grindwale und zum Abschluss bei einer Gruppe Großer Tümmler.

Ein wirklich beeindruckendes Erlebnis, diese Tiere teils auf Armlänge neben sich schwimmen zu sehen und im Gegensatz zu einer Whale Watching Tour an der Nordwestküste der USA, als geschätzt 25 Boote um einen weiblichen Buckelwal und ihr Kalb trieben ist hier weit und breit kein anderes Boot zu sehen und die Tiere scheinen sich auch nicht an unserem kleinen gelben Flitzer zu stören. Viel zu schnell geht die Tour wieder dem Ende entgegen, vorbei an der beeindruckenden Steilküste geht es wieder in Richtung des Hafens, ein Sangria auf dem Boot darf natürlich nicht fehlen und dann ist das letzte Highlight des Urlaubs leider auch schon wieder zu Ende.

Mit wackligen Beinen geht es von Bord und bevor wir für die Rückreise packen, geht es auf der Suche nach Souvenirs noch in die Shops der Stadt, ehe abends der letzte Bummel durch die Bars ansteht.

10. Tag

Abreise! Am Morgen quälen wir den Fiat Panda ein letztes Mal auf die Höhen der Insel, sehen den von der Ruta 16 bekannten Roque de Agando von einem Aussichtspunkt aus nächster Nähe und erreichen schließlich wieder die Inselhauptstadt San Sebastian.

Der Roque de Agando aus der Nähe

Pünktlich zur Abreise sind die Temperaturen heute zum ersten Mal in den niedrigeren Zwanzigern, also so, wie wir es eigentlich erwartet hatten. Wer weiß, wie die Reise bei solchen Temperaturen verlaufen wäre… Die anschließende Fährüberfahrt nach Teneriffa mit der Fred Olsen Line dauert nicht so lange wie die Autofahrt von Valle Gran Rey nach San Sebastian und auch im Anschluss läuft alles reibungslos und wir sitzen nach erlebnisreichen zehn Tagen wieder im Flieger Richtung Heimat.

Fazit

Wie eingangs erwähnt kam es bei uns wie seinerzeit bei Columbus anders als geplant, was jedoch in beiden Fällen keine negativen Folgen hatte, ganz im Gegenteil. Die eigentlich angedachte Inselumrundung auf dem GR 132 führt ausschließlich entlang der Küste, was sicher reiz- und eindrucksvoll ist, allerdings entgeht einem dann doch nahezu alles, was wir nach Aufgabe dieses Unterfangens erlebt haben. Eine nicht nur landschaftlich extrem vielseitige Insel, auf der der ganz große Massentourismus noch nicht Einzug gehalten hat, durch den Zusammenschluss mehrerer Unternehmen kann man seinen Urlaub hier sogar komplett nachhaltig verbringen. Dazu kommen sehr entspannte und freundliche Bewohner, moderate Preise für sehr gutes Essen und Getränke und zahlreiche Möglichkeiten, auch mal eine Pause vom Wandern einzulegen, wenn nötig. Das Wetter, beziehungsweise die Hitze, hat uns zwar überrascht, aber in den nebelverhangenen oder eben schattigen Wäldern des Nationalparks ist es auch bei hohen Temperaturen sehr angenehm. Und so gibt es bestimmt ein Wiedersehen mit der Insel, dann vielleicht mit dem Ziel den anderen Weitwanderweg, den GR 131, zu erwandern. Dieser führt von der Hauptstadt San Sebastian über ca. 40 Kilometer in das nördliche Vallehermoso.

Weitere Informationen

  • Dauer für Aufstieg: 3 Stunden
  • Dauer für Abstieg: 3 Stunden
  • Ziel Höhe / Gipfel: Alto de Garajonay 1487 Meter
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Empfohlende Wandermonate: ganzjährig
  • Klettersteig: nein
  • Schuhwerk: knöchelhohe Bergschuhe mit guter Profilsohle
  • Trittsicherheit: erforderlich
  • Schwindelfrei: erforderlich
  • Wanderkarte: Kompass Band 231 La Gomera, Wanderkarte Camina La Gomera (kostenlos bei den Touristinfos)
  • Weiterempfehlen: ja - ich würde die Tour wieder machen
  • Hinweis:

    Die Wanderungen von San Sebastian nach El Cabrito und auf La Fortaleza sind schwer und erfordern Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Die Wanderungen im Nationalpark sind leicht bis mittelschwer. Die Benutzung des Tourenberichtes erfolgt auf eigenes Risiko. Es wird keine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art übernommen.

Bastian D.

Ich komme aus dem schönen Hunsrück und bin hauptsächlich auf den hier nur so aus dem Boden schießenden Wanderwegen unterwegs. Immer mit dabei ist mein Hund Kenny, der mich ohne Rücksicht auf das Wetter oder meine Tagesform nach draußen treibt.Außerdem bin ich zertifizierter Wanderführer und biete (nicht nur) für Gäste unserer Ferienwohnung Dickbaums geführte Wanderungen an. Ich hoffe meine Touren- und Testberichte sind hilfreich und würde mich freuen, Leser von wandersuechtig.de als unsere Gäste begrüßen zu dürfen.