Reisebericht USA – Wyoming – Grand Teton NP

Reisebericht USA – Wyoming – Grand Teton NP by Bastian D.

Allgemeine Infos

Jackson, Wyoming erreichten wir einen Tag nach unserer Abreise aus Granby nach einer Teils doch recht abenteuerlichen Fahrt. Zu verdanken hatten wir das wohl hauptsächlich dem Staate Utah, denn just an der Staatsgrenze von Colorado und Utah und dem Übergang des Highway 318 (Colorado) auf den 1364 (Utah) standen wir plötzlich auf einer unbefestigten Schotterstraße. Und auf dieser mussten wir grob geschätzt 50-60 km durch unbesiedeltes Gebiet zurücklegen, bis wir, in diesem Fall endlich, wieder Asphalt unter den Rädern hatten. In der nächst größeren Stadt, Rock Springs, suchten wir uns zu relativ später Stunde ein Motel, von dem aus wir dann auch vorab die Unterkunft für die nächsten beiden Nächte in Jackson buchten. Und dorthin ging es dann auch am nächsten Morgen und nach dem Einchecken im Pony Express Motel folgte unsere Erkundungsfahrt in den relativ kleinen, aber sehr feinen Grand Teton Nationalpark.

Grand Teton NP

Wir folgen von der Abfahrt des Highway 89 der Teton Park Road zunächst bis zum Jenny Lake, wo wir unseren ersten Stop einlegen, um uns über die auf dem See verkehrende Fähre zu erkundigen. Schließlich haben wir noch keine konkreten Pläne für den nächsten Tag.

Bereits hier immer im Blickfeld: die östliche Begrenzung des Parks, die Cathedral Group, Herzstück der Teton Range mit dem 4198 Meter hohen Grand Teton als höchstem Berg und Namensgeber des Nationalparks, der der Bergkette im wahrsten Sinne zu Füßen liegt. Und so kommt auch der Name Jackson Hole für das Herzstück des Nationalparks, dass große Tal zwischen der Teton Range und der Gros Ventre Range zustande. Nachdem wir alle Informationen zum Fährverkehr gesammelt haben, geht die Fahrt über die Teton Park Road weiter in Richtung Norden und vorbei am Jackson Lake.

Schließlich biegen wir nach Osten ab auf den Highway 287 und folgen dem Snake River in Richtung Jackson, der einst schon den berühmten Naturfotografen Ansel Adams inspirierte

Und auch wir sind bislang begeistert von diesem, uns bis zur Detailplanung der Reise eigentlich unbekannten Fleckchen Erde. Zurück in Jackson schauen wir uns diese kleine Westernstadt noch etwas genauer an. Im Zentrum ist alles auf Wild West abgestimmt, die vielen kitschigen Nippes-Läden lassen allerdings vermuten, dass das mehr den Touristen als dem tatsächlichen Lebensgefühl geschuldet ist. Dennoch hat das kleine Städtchen durchaus einen gewissen Charme, wobei die aus Hirschgeweihen erbauten Eingänge des Stadtparks doch ein wenig befremdlich wirken.

Was wir hier noch nicht ahnen konnten war, dass uns das Highlight des Tages noch bevorstand. Auf der Suche nach einem Restaurant landen wir im auf den ersten Blick unscheinbaren MacPhail’s, einem typischen Diner in Familienbesitz, in dem der Besitzer noch selbst die Gäste bedient und es sich nicht nehmen lässt, jedem Gast die Geschichte des Diners zu erzählen und auch bei der Speisenauswahl mit Rat und Tat zur Seite steht. Und so fällt letztendlich die Wahl auf den zwar nicht gerade günstigen, aber dafür umso leckeren Buffalo Burger, der sicherlich in den Top 3 der von mir gegessenen Burger liegt. Vermutlich sogar an erster Stelle. Definitiv ist MacPhail’s ein Muss für jeden Burgerfan, den es nach Jackson verschlägt.

Zurück im Hotel folgt dann die Planung des nächsten Tages, eine kleine Wanderung im Park soll auch dabei sein und über allem schwebt die Hoffnung, hier einen Grizzly in freier Wildbahn zu Gesicht zu bekommen. Hilfreich bei der Planung ist die Internetseite www.tetonhikingtrails.com auf der wir bei der Suche nach Touren bis ca. 10 km auch auf die Wanderung zum Grand View Point stoßen.

Was zunächst lediglich nach einer Tour zu einem schönen Aussichtspunkt klingt, entwickelt dann aber noch einen zusätzlichen Reiz als wir lesen, dass diese Trails durch Bärengebiet führen. Und damit stand unser Entschluss fest: diese Gegend wollen wir uns genauer ansehen, allerdings nicht ohne unsere Dose Bearspray und die weiteren empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen wie Wandern in der Gruppe und bei einem gewissen Geräuschpegel.

Am nächsten Morgen geht es dann früh los, zunächst über die Teton Park Road bis zum Jackson Lake und von dort noch ein kurzes Stück nach Norden zur Jackson Lake Lodge und dort der Wegbeschreibung von tetonhikingtrails folgend. Kurz bei den Arbeitern vor Ort gefragt, ob wir dort auch parken dürfen und dann auf ca 2100 Metern Höhe ab auf den Trail. Mit der Ansage der Arbeiter, dass wir uns eine gute Zeit ausgesucht hätten. Ein paar Wochen später seien die Trails wegen der angebotenen Reittouren mit Pferdeäpfeln überzogen. Ein Erdhörnchen schaut sich uns gleich zu Beginn mal genauer an und dann stehen wir auch schon vor dem ersten Warnschild.

 Auf unserem Weg durchs Bärengebiet führt uns zunächst ein Pfad durch Busch- und Auenlandschaften, immer präsent dabei ist der Anblick der Teton Range aus verschiedenen Perspektiven.

Nach etwa 1,5 km beginnt der langsame Übergang hin zu einem Waldgebiet, zunächst mit vereinzelten Bäumen in der Landschaft, die aber allmählich entlang des nun ansteigenden Wegs dichter werden. Und natürlich kommen mit der steigenden Höhe auch weitere tolle Aussichten.

Aber trotz der reizvollen Landschaft und des schönen Wegs wandert man hier definitiv anders als zu Hause und achtet auf jedes Geräusch und jede Bewegung. Allerdings kamen die knackenden Äste kurz nach einer Wegegabelung nach ungefähr 2,5 km doch nur von zwei Wapitis und nicht von einem Grizzly.

Kurz darauf jedoch bekommen wir eindrucksvoll vor Augen geführt, dass es hier definitiv Bären gibt und sehen eine Kiefer am Wegesrand, die wohl als Kratz- und Krallenwetzbaum genutzt wird.

Schließlich kommen wir zu einem kleinen Plateau, von dem aus wir einen tollen Überblick über den Nationalpark haben. Vor uns liegt das Jackson Hole mit dem Two Ocean Lake und die Gros Ventre Range, hinter uns der Jackson Lake und die Teton Range.

Nun nehmen wir die letzten ca. 400 Meter in Angriff und folgen dem Pfad weiter bergauf durch wieder dichteren Wald, wo wir hinter einer Kurve dann tatsächlich attackiert werden. Allerdings nur von einem balzenden Felsengebirshuhn (dusky grouse). Angesichts unserer zahlenmäßigen Überlegenheit verlässt es allerdings schnell der Mut und es zieht sich ins Unterholz zurück.

 

Kurz danach erreichen wir dann auch nach genau 3Meilen (4,8 km) das Ziel und den höchsten Punkt unserer Tour, den Grand View Point auf 2384 Metern. Hier zeigt sich dann auch, dass der Name nicht von ungefähr kommt und haben ein tolles Panorama vor uns mit Jackson Hole, Gravel Mountain, Two Ocean Lake und dem etwas verdeckten Emma Matilda Lake.

Bei dem nun anstehenden Abstieg auf dem gleichen Weg zurück zeigt sich nun allerdings auch ein Vorteil dieser Wegeführung. Die beim Aufstieg in unserem Rücken liegende Teton Range ist nun fast durchgehend zu sehen und jede Kurve bietet einen anderen eindrucksvollen Blickwinkel.

Als wir wieder an der erwähnten Weggabelung vorbeikommen entschließen wir uns nach einem kurzen Blick auf die Karte, nun einen anderen Weg zu wählen und folgen von hier aus dem Christian Pond Trail, der uns durch Buschlandschaften  zum Christian Pond und schließlich zurück zur Jackson Lake Lodge führt.

Ausklingen lassen wir unseren Tag im Park dann nach kurzer Fahrt auf dem Signal Mountain mit tollem Ausblick über die Ebene und den aufziehenden Regen.

Auf der folgenden Rückfahrt nach Jackson bestätigt sich dann unsere Vermutung, vom Signal Mountain aus in der Nähe der Straße eine kleine Büffelherde entdeckt zu haben. Diese haben es sich in der Nähe des Schutzzauns entlang des Highways gemütlich gemacht.

Zurück im Motel beginnen dann auch schon unsere Planungen für die anstehende Fahrt in den Yellowstone Nationalpark, der unmittelbar an den nördlichen Zipfel des Grand Teton NP anschließt.

Am Morgen entschließen wir uns, diesmal nicht die Teton Park Road zu nehmen, sondern direkt über den Highway 26 zum Moran Entrance zu fahren, um schneller voran zu kommen. Im Nachhinein genau die richtige Entscheidung, denn nur wenige hundert Meter nach der Abzweigung zur Jackson Lake Lodge, an der wir am Vortag unsere Wanderung starteten, sehen wir an der Straße ein paar aufgeregte „Profi-Bearspotter“, die hastig ihre Stative und Kameras aufbauen.

Neugierig halten wir auch an und sehen dann in ca. 250 Meter Entfernung einen stattlichen Grizzly, dem kurz darauf drei Jungtiere folgen. Die Fotografen, scheinbar allesamt aus der näheren Umgebung, stellen sie uns als „Blondy and her three“ vor. Wirklich ein bemerkenswerter und unvergesslicher Anblick, der durch das entstehende Verkehrschaos allerdings ein wenig getrübt wurde.

Ich kann die Neugier und Begeisterung der Menschen auf alle Fälle teilen, einen Grizzlybären in seiner natürlichen Heimat freilebend mit drei Jungen vor die Linse zu bekommen, aber ein wenig mehr Rücksicht auf die anderen Parkbesucher und vor allem auch auf die Tiere wäre schon wünschenswert.


Und dann, nach einem letzten Blick über den Jackson Lake auf die Teton Range, geht es in den berühmten Yellowstone Nationalpark.



Weitere Informationen

  • Route Aufstieg: siehe Artikel
  • Route Abstieg: siehe Artikel
  • Dauer für Aufstieg: 2 Stunden
  • Dauer für Abstieg: 2 Stunden
  • Ziel Höhe / Gipfel: 2320 m
  • Höhenmeter: 260 m
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Empfohlende Wandermonate: k.A.
  • Klettersteig: nein
  • Sehenswürdigkeiten: siehe Artikel
  • Einkehrmöglichkeit: siehe Artikel
  • Schuhwerk: knöchelhohe Bergschuhe mit guter Profilsohle
  • Trittsicherheit: nicht erforderlich
  • Schwindelfrei: nicht erforderlich
  • Wanderkarte: KEINE
  • Weiterempfehlen: ja - ich würde die Tour wieder machen
  • Hinweis:

    Die Benutzung des Tourenberichtes erfolgt auf eigenes Risiko. Es wird keine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art übernommen.

Bastian D.

Ich komme aus dem schönen Hunsrück und bin hauptsächlich auf den hier nur so aus dem Boden schießenden Wanderwegen unterwegs. Immer mit dabei ist mein Hund Kenny, der mich ohne Rücksicht auf das Wetter oder meine Tagesform nach draußen treibt.Außerdem bin ich zertifizierter Wanderführer und biete (nicht nur) für Gäste unserer Ferienwohnung Dickbaums geführte Wanderungen an. Ich hoffe meine Touren- und Testberichte sind hilfreich und würde mich freuen, Leser von wandersuechtig.de als unsere Gäste begrüßen zu dürfen.